Von der Suppe zur Platte zur Pasta zum Gratin zum Crumble

Geht’s noch? Also, das hätte es jetzt wirklich nicht mehr gebraucht, was sie uns da heute Morgen wieder vor die Türen gelegt haben: Schnee, dick und fett, nass und schwer. Geh bitte, Schnee. Geh.

War es wirklich letzten Samstag, dass ich mich nach der Verwandlung von Suppe zu Pasta zum Mittagsschlaf auf eine Bank in die Sonne legen durfte? Gut, der Sonntag hat uns dann schnell zur Ordnung gerufen: Regen, Regen, Regen. Bis wir es geschafft hatten, nicht nur keine Karten fürs Kino zu besorgen, sondern auch noch die Zeit zum Mittagessengehen zu verpassen. Was tun, wenn man einer „durchgehend warmen Küche” misstraut? Schon wieder selber kochen. Da wäre noch der Fenchel in Stücken vom Vortag. Und eine Rübe, geschält. Und die Basilikumbutter. „Mach doch mal was mit Kartoffeln”, heißt es, „die gibt es unter der Woche nie.” Also doch noch Eintopf? Nee, nicht am Sonntag. Da muss was aus dem Ofen kommen. Auflauf etwa, den wir zur Feier des Tages Gratin nennen:

Eine flache Form wird mit etwas Basilikumbutter (normale geht natürlich auch) eingebuttert. Dazu kommen die Fenchelwürfel von der 400-g-Knolle, die Rübe in dicken Scheiben und vier mittelgroße geschälte Kartoffeln ebenso in Scheiben. Da könnte ich jetzt Sahne pur drübergießen, was dem ganzen aber wenig Halt geben würde. Drum eine kleine Mehlschwitze: 1 EL (Basilikum)-Butter im Topf schmelzen und 1 EL Mehl reinrühren. Das vom Herd ziehen und 1/2 l Milch dazugießen, dabei kräftig mit dem Schneebesen gerührt. Zurück aufs Feuer und schnell unter Rühren aufgekocht, bei kleiner Hitze 10 Minuten kochen lassen.


Derweil reibe ich gute 50 g Bergkäse, den ich am Ende mit 2 Eiern in die Sauce rühre, die mit Salz und Pfeffer gewürzt wird. Das geschieht auch mit dem Gemüse in der Form, bevor die Sauce drüber gegossen und untergemischt wird.


Hm. Wir sind in Bayern am Sonntagmittag, es schüttet draußen und eigentlich müsste jetzt ein Krustenbraten im Ofen sein. Aber vielleicht reicht auch eine Semmelbröselkruste fürs Gratin? Dazu müsste ich jetzt nur die restliche Basilikumbutter mit Bröseln mischen … oh, die sind alle. Aber da ist noch Toast. Ich schneide vier Scheiben klein, tu sie in den Schneidaufsatz vom Stabmixer, und wupp-wupp-wupp: feinste Brösel. Ganz feine Köche panieren damit ihre Schnitzel, was mir ein bisschen zu viel Edelmut und zu wenig Gasthaus ist. Beim Fischfilet dagegen kann so eine Weißbrotpanade sehr gut kommen.


Für die Kruste aber werden nun Brösel und Butter vermischt, was eine festere Masse als gedacht ergibt…


…weswegen auch noch die Tomatenmischung vom Samstag dazu kommt. Mit dem Ergebnis, dass wir am Ende pikante Kuchenstreusel haben, die übers Gratin verteilt werden. Das kommt in den 180 Grad heißen Ofen für eine gute halbe Stunde, Zeit genug, um ein kurzes Regenloch für eine Runde Torwarttraining mit Fünfmeterschießen zu nutzen – da war noch nicht bekannt, dass Oliver Kahn doch zur WM „mitfährt” (was tatsächlich am Montag zu lesen war. Dabei fährt doch die WM zu uns, oder?).


Schließlich, es ist fast vier: Eintopfgratin. Streuselgemüsekuchen. Auflauf Crumble. Nennt es, wie Ihr wollt. Uns hat es geschmeckt. Und wem das alles zu schnöde für einen Sonntag ist, der kann bei den Nachbarn von delicious:days beim Exotenquiz mitmachen, das aus einem freitäglichen Spontanfischcurry hier im Kochbüro hervorgegangen ist. Oder sich bei zwei feinen Rezepten mit grünem Spargel schon mal für den Frühling einkochen. Irgendwann wird er schon kommen.

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12 Antworten auf Von der Suppe zur Platte zur Pasta zum Gratin zum Crumble

  1. Bin erst kürzlich über delicious:days hier her gekommen und habe Dich sofort in meinem Feedreader hinzugefügt. (Kleiner Hinweis: leider werden bei dem Atom Feed die Bilder nicht richtig angezeigt, würde mich freuen, wenn ich die volle Pracht direkt im Feedreader angezeigt bekäme.) Jedenfalls finde ich es klasse, wie Du so viele kleine Infos und Tipps mit einfließen läßt, das vermisse ich in klassischen Rezepten am meisten.

    Allerdings habe ich eben erst einige Zeit später realisiert, dass Du ja auch der Autor von Basic Cooking bist. Das war vor ein paar Jahren mein erstes Kochbuch, als ich von Zuhause auszog. Habe daraus erst letztens wieder die mediterranen Zucchini gemacht (mit dem perfekten Kartoffelpüree und -unspektakulären- Fischstäbchen dazu) – ein neuer Favorit von meiner Freundin und mir in der Kategorie “schnell, einfach, gesund”.

    Also, ich freue mich auf die nächsten Einträge und werde wohl auch mal die Älteren durchforsten. Weiter so, am besten gefallen mir, wie gesagt die vielen kleinen Kniffe, an die man sich so in einen Kontext eingeflochten immer am besten erinnert.

  2. SEBASTIAN sagt:

    Lustig – ich hatte heute kurz drüber nachgedacht, ob das mit den Rezepten nicht vielleicht doch zu unordentlich ist, ohne richtigen Zutatenblock und den ganzen anderen Schnickschnack, dafür aber immer wieder Zerhauen von Bildern und Abschweifungen. Da kam das gerade richtig, Jürgen – für den ordentlichen Rest gibt’s ja schließlich die Bücher, oder? Und Euer Zucchini-Lob werde ich gleich an Sabine Sälzer weitergeben, von der die Rezepte im Cooking sind. So, und um den Werbeblock abzuschließen: In meinem neue Buch „Wie koch’ ich…?” findest Du eine Menge solcher Rezepte, die eher erzählen und dabei Tricks verraten.

    http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3833801565/qid=1144832227/sr=1-8/ref=sr_1_10_8/303-0824329-6457055

    Fürs Durchforsten speziell nach Rezepten auf dieser Seite klickst Du am besten rechts auf „Ich koche Mittagessen” bzw. die Zutaten drunter- aber das wirst Du als Netzprofi selbst wissen. Äh, was ist ein Atom Feed? Und ein Feedreader? Hat wahrscheinlich mit diesen Abo-Geschichten zu tun, die mir schon als User immer sehr kompliziert vorkommen…? oder gibt es da draußen ein große Sehnsucht, das hier anzubieten?

  3. Genau, der Feederader ist das Ding mit der Abo-Geschichte. Ist eigentlich wirklich nicht besonders kompliziert und wird garantiert in den nächsten Jahren richtig wichtig werden. Atom ist, genau wie RSS, einfach eine Form des Feeds (lustigerweise im Englischen als “flavor” bezeichnet), den der Feedreader eben aufnimmt und dann darstellt. Vorteil ist, dass der Feedreader eben alle Quellen bündelt, so bei mir z.B. u.a. Dein Blog, delicious:days, und noch zig andere.
    Immer mehr Seiten bieten die Feeds an, Blogs sowieso immer. Letztlich mache ich dann in meinem Programm (in meinem Fall auf einem Apple Mac nutze ich Safari, den Browser von Apple) einfach einen einzigen Klick, und bekomme sofort alle neuen Einträge von all meinen voreingestellten Seiten chronologisch auf einer Seite dargestellt.
    Zur Lösung des Problems: Wenn Du technisch nicht so versiert bist wie kulinarisch, dann wird es doch sicher jemanden geben, der die Webseite und das Blog hier gebaut hat. Derjeniege müsste dann doch auch in der Lage sein das Problem zu lösen.

  4. SEBASTIAN sagt:

    Vielen Dank für die Infos, Jürgen, vor allem dass unser “Gefüttertes” beim Engländer “Geschmack” heißt. Aber wenn man dann diese Beiträge samt Foto kriegt, wie ich Dich verstanden habe – warum sollte man dann noch auf die Seite selbst gehen?

    Theoretisch hast Du recht, dass die Webseitenbauerin die richtige Ansprechpartnerin ist. Praktisch ist sie jedoch anderswo unabkömmlich, weshalb ich erst mal auf mich selbst angewiesen bin. Aufruf: Weiß oder ist jemand jemanden, der das kann und für mich machen kann? Akutestes Problem derzeit: Mails direkt aus der Kontaktmaske kommen nicht bei mir an.

  5. Unser “Gefüttertes” ist schon im Englischen der Feed, aber der kommt eben in verschiedenen “Geschmacksrichtungen” – technischen Konkurrenzformaten.

    Deine Schlussfolgerung ist richtig, wenn man einen echten vollen Feed bekommt, muss man im Grunde nicht mehr auf die Seite selber. Aber die ist doch, wenn man es mal überdenkt, ohnehin nur eine Hülle für den Inhalt, auf den es ja eigentlich ankommt. Natürlich ist das für Newsseiten wie Spiegel.de ein Problem – weshalb die immer nur die Überschrift und die ersten paar Zeilen des Inhalts zur Verfügung stellen, damit sie auch ihre Werbebanner positionieren können. Es gibt aber seit kurzem Möglichkeiten, um auch in die Feeds Werbebanner einzubauen, also wer weiß was die Zukunft bringt. Für einen sehr wichtigen Aspekt von Blogs, den wir hier gerade praktizieren, muss man aber noch immer auf die Seite – für die Kommunikation über die Kommentare.

    Ich persönlich lese fast nur noch Webseiten / Blogs, die einen vollständigen Feed anbieten. Ich denke sobald die Feeds von einer breiteren Masse genutzt werden (und ich bin mir sehr sicher, dass das in den nächsten Jahren geschehen wird), wird jede bekanntere Internetseite auch gezwungen sein einen vollständigen Feed anzubieten. Dein Feed ist vollständig (juhuuu!), aber es scheint eben ein technisches Problem mit den Bildern zu geben.

    Ich würde dir gerne meine Hilfe anbieten, bin aber gerade dabei meine Diplomarbeit zu schreiben und somit Arbeitstechnisch relativ gut ausgelastet. Allerdings werde ich mal einen Freund (Sebastian Conradi) der Webdesign macht fragen, ob er einspringen kann.

    Hui, jetzt sind wir aber ganz schön vom eigentlichen Thema hier, Mittagessen, abgekommen. Was mache ich denn eigentlich morgen? Meine Freundin wünschte sich Kartoffel Brokkoli Auflauf, lustigerweise tatsächlich bereits am Wochenende auf dem Markt beim Griff zum Brokkoli geplant. Allerdings war ich wirklich noch auf der Suche nach einem Rezept, und mir fiel erst gerade auf, dass ich doch am besten einfach mal die Tipps von deinem “Crumble” hier kreativ umsetzen sollte. Wunderbar.

  6. SEBASTIAN sagt:

    Ok, Jürgen, verstanden. Ich stehe halt auch auf die Hülle für den Inhalt, kenne aber andererseits das Werkzeug des Feeds noch nicht – warte also mit meiner Beurteilung, bis ich da schlauer bin. Ansonsten danke für das Angebot zum Kümmern, ich suche da tatäschlich jemanden, da ein dezenter Relaunch nötig scheint (Kommentare auf einen Blick, Mittagesser-Seite einfacher, Kontaktproblem lösen). Um das nicht über die Kommentare zu regeln, hier der direkte Kontakt (nachdem ja der auf der Mittagesser-Seite leider nicht korrekt funktioniert):
    info@sebastian-dickhaut.de
    Ansonsten: Viel Spaß beim Ostercrumblen.

  7. Gesagt, getan, und so sah das Kartoffel Brokkoli Crumble dann bei uns aus:

    In die Sauce habe ich zusätzlich noch kurz angedünsteten frischen Knoblauch eingerührt, und das Crumble oben drüber ist mit Frühlingszwiebeln vermengt gewesen. Mein einziges Problem war, dass die obere Lage Kartoffeln nach 35 Minuten noch nicht wirklich gar war. Daher werd ich das nächste Mal entweder tiefer stapeln oder die eine Hälfte Kartoffelscheiben vorher ein paar Minuten in Wasser vorkochen.

  8. Schade, bei den Kommentaren sind offenbar keine Bilder zulässig.

  9. SEBASTIAN sagt:

    Den Trick zum Gratinproblem findest Du auch im Buch, „tiefer stapeln” ist genau richtig, das Extra-Kochen scheint mir recht aufwändig. Und Bilder im Kommentar? Schaun mer mal.

  10. Marc sagt:

    Hmm….habe gerade den rest von jürgens auflauf gegessen….ein sehr leckeres reszept, schmeckt auch aufgewärmt sehr lecker.

  11. Klaus sagt:

    Hallo Leute

    dem stimme ich auch zu – schöner Artikel.
    Zusätzlich wollte nur kurz meine Meinung zu Eurer Seite hinterlassen.
    Eure Seite ist wirklich Spitze und interessant. Ich werde zukünftig öfter mal reinschauen und Euch bei meinen Bekannten weiterempfehlen! Ich finde, Ihr habt eine schöne Schriftart ausgewählt und könntet aber ein paar Bilder mehr verwenden.
    Da ich bald eine Internetseite zum Thema Stabmixer eröffnen möchte, würde ich mich sehr freuen, wenn ich hier im Gästebuch einen Link zu meiner Internetseite hinterlassen darf.
    Stabmixer
    Natürlich würde ich mich auch über Eure Meinung zu meiner kommenden Seite sehr freuen.

    Es grüßt Euch der Klaus aus Hamburg

  12. Lisa sagt:

    Ich stimme Marc absolut zu! Ein sehr schmackhaftes Rezept!
    Danke – und die Fotos sind echt gelungen…. *wasserimmundzusammenlauf*

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