Sankt Barbecue, hilf!

Heiliger Laurentius, es regnet ja schon wieder! Nicht dass ich mir die Gluthitze der letzten Wochen wieder herwünschen würde, schon gar nicht an diesem 10. August, Namenstag aller Laurentiusse, Lorenze, Lawcrences und Lenze, deren Namenspatron ein ganz besonderes Verhältnis zur Glut hatte, weswegen er auch der Heilige der Köche ist, den man heute traditionell mit einem Grillfest feiert, was allerdings eine höchst makabre Tradition ist – womit wir endlich in Wien angekommen wären. Dort hat unser Mittagskorrepondentin Dagmar nämlich einen Bericht zu Ehren des Hl. Laurentius notiert, der uns wieder einmal zeigt, wie arm unser Küchenschatz ohne die Freunde aus Österreich wäre.

(Frau Dagmar habe ich übrigens soeben zwischen zwei Bregenzer Festspielkritiken auf einer Restaurantterrasse am Bodensee erreicht, wo sie gerade mit dem übrigen Brot vom Mittagsmahl die durch die Sonne hüpfenden Spatzen fütterte – während vor meinem Bürofenster gerade mal wieder ein Gewitter runtergeht. Wird also nix mit dem Grillen heute, weil sie heute Abend zum nächsten Theater geht und ich im Regen steh. Drum würze ich Ihren folgenden Bericht wenigstens mit ein paar Grillbildern aus der sonnigeren Vergangenheit dieser Seite.)


Altar für den Heiligen Laurentius, beim diesjährigen Outdoor-Cooking-Camping-Urlaub
errichtet.

Von Laurent, Lautrec und Luce
Von unsere Wiener Mittagskorrespondentin Dagmar

Es regnet – und die städtischen Weingutbesitzer von Wien sind beruhigt. Nicht dass sie sich in der heißen Zeit große Sorgen machen mussten um ihr auf der Welt wohl einzigartiges Großstadtgut „Cobenzl”, das hervorragende Weine produziert, die jedes Jahr von den hiesigen „Weinbeissern” (= Weinliebhaber) gefeiert werden. Deren Bedenken, dass die lange Trockenheit diesmal den Trauben schaden könnte, war unbegründet: Die Weinstöcke am Cobenzl sind sehr alt, so dass ihr Wurzeln meterweit in die Tiefe gehen, wo sie selbst in lange Trockenperioden immer noch genügend Wasser finden. Und nun muss man dank des Regens auch die Jung-Pflanzungen nicht mehr wässern.


Der Heilige Laurentius in Einzelteilen, gesehen beim diesjährigen Outdoor-Cooking-Camping-Urlaub-Revival bei uns daheim

Auch bei den übrigen österreichischen Winzer wird es nun nicht mehr lange dauern, bis sie mit der Lese der Frühsorten beginnen und dann gibt es bald den spritzigen „Sturm”, in Deutschland „Federweißer” genannt. Auf meinen Lieblingswein muss ich allerdings noch warten, denn der rote „St. Laurent” ist keine frühe Sorte. Woher die Burgunderkreuzung genau stammt, ist nicht sicher, während die Herkunft seines Namens sehr wohl bekannt ist: Er geht zurück auf den heutigen Tag des Heiligen Laurentius (10. August), an dem diese Traube üblicherweise auszureifen beginnt.


Myrrhe und Knoblauch bereiten aufs Fest vor

Heute feiert man aber auch den Heiliger Laurentius als Schutzpatron der Köche. Warum und wie – das ist schon grauslich und makaber, also sehr wienerisch: Weil dieser Laurentius sich einst weigerte, dem Kaiser Valerian die Schätze der Kirche zu übergeben, wurde er von diesem zum Tod verurteilt und am 10. August 258 auf einem eisernen Rost bei lebendigem Leib verbrannt. Weswegen ihn die einstigen Könige der Köche, die Rotisseure, wenig feinfühlig zu ihrem Patron bestimmten und bis heute an seinem Todestag große Grillfeste veranstalten. In diesem Jahr laden die Meister der österreichischen Kochelite ins Stift Klosterneuburg, wo unter Mitwirkung zahlreicher Promis gegrillt und dazu das Laurenzibrot geweiht wird. Österreichische Starwinzer präsentieren Weine, St.Laurent früherer Jahrgänge sind sicher dabei.


Auftritt des Hohepriesters, erlebt bei einer anderen christlichen Tollerei mit der Wiener Korrespondentin

„Besorgen Sie sich einen Heiligen, legen Sie ihn auf den Rost über ein Bett glühender Kohlen. Wenn er ein richtiger Heiliger ist, wird er selbst verlangen, umgedreht zu werden, damit er auf beiden Seiten gut geröstet wird.” Das hat kein geringerer als der Maler Toulouse Laurent, pardon, Lautrec, in seinem Buch „Die Kunst des Kochens” notiert – er konnte nämlich nicht nur wunderbar malen, sondern war auch ein sehr guter Koch und von derbem Humor dazu. Da halte ich mich doch lieber an Luce Höllthaler aus Baden bei Wien und sein ebenfalls im Hädecke Verlag neu erschienenes Buch „Grillkunst am Feuer”, das viel mehr als ein übliches Kochbuch ist. Autor Luce führt seine Freunde und Leser voller Begeisterung durch ein philosophisches Grillpraktikum nach dem Motto „Viel Natur und wenig Schnickschnack”.


Ein Finale, dass es nur so kracht – fast erlebt am Straßenrand der Via dolorosa

Luce Höllthaler wird dieses Jahr 70 und ist eine Legende in seiner Heimatstadt Baden. Seine unzähligen (früheren) Eulenspiegeleien werden dort heute noch ausführlich erzählt und selbst als Pensionist wird er heute von der Jugend aufgesucht, um sich an seiner Blues-Stimme (er tritt immer noch öffentlich auf) zu begeistern. Es wäre unmöglich, seinen Lebensweg hier in Kürze zu beschreiben und es wäre zu einfach, hier mit einem Rezept aus dem Grillbuch des Meister zu schließen. Lassen wir also Luce selbst sprechen, dessen Mutter ihm seinen Namen gab, weil ihr Sohn Licht in die Welt bringen sollte: „Grillen am Feuer ist frohe Andacht und hat mit Klamauk nichts zu tun. Bei Grillwettberwerben würde ich nie mitmachen, ein seriöser Grillkünstler beherrscht sein Charakterfach mit Würde, outriert nicht und ist kein Boulevardkomödiant. Er vetraut auf seinen Feuergeist”. Wie gut die Mutter doch seinen Namen gewählt hatte.


Finale für heute – trauriges Indoorgrillen, zuletzt gesehen Bei den Messefressern

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Eine Antwort auf Sankt Barbecue, hilf!

  1. Lieber Sebastian,

    wir sitzen gemütlich mit Dagy in unserer Viila-Luise bei gutem Essen und Burgenländer Rotwein (Elfenhof, Ruster Rubin, Jahrhundertjahrgang 2000), und amüsieren uns köstlich über die geistig spritzigen, witzigen Anmerkungen über den Hl. Laurentius !

    Lieber Sebastian, ich bin hier bei meinen Bregenzer Freunden nach gutem Essen und köstlichem Rotwein! Sie haben große Freude mit Deinem/unserem Artikel!

    Liebe Grüße von der Mittagskorrespondentin Dagmar

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