SOIZ IN DA SUPPN: Idyllenstudie beim Mittagessen in München

Dass dieser Blog anders ist als noch vor einem Jahr, ist kein Geheimnis. Wenn er in einem neuen Viertel und in einem anderen Leben der Gleiche bleiben würde, dann wäre er nie gut gewesen. Tatsache ist auch, dass sich weniger Leute (immer noch eine gute Menge) als vor einem Jahr an den Tisch hier setzen. Was auch beruhigend ist – Qualität, oder nennen wir es: Intensität bringt eben doch Quote. Warum ist es hier nicht mehr so intensiv? Weil ich das derzeit woanders bin, bei den Küchengöttern etwa oder auch live bei Aktionen und Veranstaltungen. Und ja, das hat was von den Köchen, die nicht mehr so intensiv in ihrem Restaurant stehen, nachdem es sie auf eine neue Stufe gehoben hat.

Was ich jetzt ganz bewusst so bejahend formuliere, weil ich gängigen Pauschalurteilen („seit der nur noch im Fernsehen kocht, ist sein Küche schlechter geworden, ist ja nie da”) gerne misstraue, vor allem wenn ich mit dem eigenen Leib hinein gerate und eine ganz neue Erfahrung machen. Zum Beispiel die, dass Köche mit eigenem Lokal (anders als meist die angestellten Küchenchefs, vor allem wenn sie selbst auf dem Weg dorthin sind) sehr daran hängen und es durchaus als Basis und Zentrum ihrer vielen Aktivitäten begreifen. „Rettet das Mittagessen” ist das deswegen für mich, weil es mein erstes „eigenes Lokal” ist, in dem ich servieren kann, was ich will. Oder auch nicht – denn für manches ist es nicht der passende Ort, für anderes schlicht zu beschränkt – was für mich ein positiver Begriff ist im Sinne von „sich in seinen Schranken halten.”

Ab nächster Woche verlässt das Mittagessen diese virtuellen Schranken und geht für den Juli raus in die Welt zu den Leuten. Gemeinsam mit der Schauspielerin und Verrichterin Ruth Geiersberger werde ich einer Woche mit einem Wohnwagen vor der Staatsoper, hinterm Rathaus, in der Fußgängerzone und vorm Deutschen Museum auf der Brücke zu Mittag campieren um ausgewählte Passanten zu einem irritierenden Menü einzuladen. Wir nennen das Idyllenstudie und werden darüber hier und auf www.verrichtungen.de berichten. Wie, wer, warum? Die, das, darum:

Alsdann, kommt vorbei – der Status als beratender Jägerzaungast ist jedem jederzeit gesichert. Mehr nächste Woche.

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3 Antworten auf SOIZ IN DA SUPPN: Idyllenstudie beim Mittagessen in München

  1. Ev sagt:

    Na, wenn das nicht unbeschränkt experimentell ist! Leider, leider zu weit weg für mich, aber wenn Ihr das mal in Heidelberg machen wollt … nicht nur Japaner gibt’s hier auch!
    Viel Freude an der Sache wünsche ich und freue mich schon auf einen Bericht!
    Die Ev

  2. Petra S. sagt:

    Lieber Mittagesser,

    als die Küchengötter den Olymp verließen um uns hier auf Erden zu dienen, dachte ich dass das Mittagessen bald gar nicht mehr serviert werden kann.
    Zuviel gemeinsame Themen, zuwenig Zeit….
    Ich bin froh, dass es nicht so gekommen ist und vermisse die Geschichten aus dem alten Viertel kaum, denn die Mittagessenwelt ist größer geworden und wir dürfen immer noch mit(reisen)lesen.
    Danke dafür! Und jetzt auch noch (Koch)kunst ganz anders!
    Gute Verrichtung und hoffentlich keine Ver(w)irrung ….bin ja mal gespannt!

  3. kaktus sagt:

    als Wenigkommentierer aber Immerleser wollte ich einfach mal verlauten lassen, dass dein Blog mir jeden Arbeitstag erhellt :)…dafür erstmal Danke!!! Und auch die Änderung bzw. Abwechslung in den Beiträgen finde ich immer interessant, genauso wie die tollen und stimmungsvollen Fotos! Ich finde es wundervoll wie sich dein Blog ändert, denn es zeigt ja auch etwas über dich und dein Leben, dafür sollte es ja auch da sein. Also immer weiter mit spannenden Geschichten, schönen Bildern und leckeren Berichten!

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