Was koch ich heute, liebe Bezirksregierung?


Foto: Bayerischer Flüchtlingsrat

Toast, Dosenhering, Schinkenwurst – die Leser von RDM wissen, dass ich im Zweifel selbst daraus noch ein Mittagessen mache, das zumindest mir schmeckt. Aber ich bin ja auch Koch und Kochbuchautor und schrecke selbst vor lebenden Raupen und rohem Seeigel nicht zurück. Was aber, wenn ich zum Beispiel frisch aus Ugurien hier her geflohen wäre und Hunger hätte, aber kein Geld und die netten Leute vom Ausländeramt würden mir dann das in die Hand drücken. Ja klar freue ich mich da, weil in der Heimat werden meine Leute umgebracht und ich kann froh sein, dass ich hier einen Joghurt habe… nur was ist das eigentlich: Joghurt?

Der Bayerische Flüchtlingsrat kennt solche Fragen und noch ganz andere, denn er befasst sich schon eine ganze Weile mit dem wenig erfreulichen Thema „Essenspakete für Asylbewerber”, weil ihre Klienten damit große Probleme haben. Und nun sind auch Einheimische dazu eingeladen, den Inhalt der Fresspakete kennen zu lernen – am kommenden Samstag beim „Kochbattle in drei Gängen” im Rahmen des Kunstprojekts „zuagroast”.

Um 14 Uhr treten in der Färberei im Rückgebäude der Claude-Lorrain-Straße 25 (schräg gegenüber vom Schyrenbad) Bayern und Flüchtlinge gegeneinander an, um in 20 Minuten drei Gänge aus einem aktuellen Essenspaket zu kochen. Wer es am besten gemacht hat, sagt dann die Jury. Zu der gehören Sandra Forster, die nicht nur Münchens interessantes Wirtin ist (Zappeforster, Cafe King, Roecklplatz), sondern jetzt auch vegane Kochbuchmacherin, Loc Nguyen, der in diversen kulturellen Projekten wie z. B. uebungsraum und gastronomischen Realtitäten (wie z. B. im Koriander) Münchens aktiv ist, und Sebastian Dickhaut, der… Also dann, bis morgen.

Ach so, heute Abend ist es auch schon interessant. Denn da wird die neueste Ausgabe des sehr lesenswerten Magazins Hinterland zum Thema „Lager” vorgestellt – mit Lesung und Film auf der Dachterrasse der Färberei.

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4 Antworten auf Was koch ich heute, liebe Bezirksregierung?

  1. kaltmamsell sagt:

    Ein wiiiinziges Bisschen früher, wenn Du Bescheid gegeben hättest – das liest sich nach einem ausgesprochen besuchenswerten Kochduell. Aber nun ist für morgen schon der Maler bestellt und ich kann leiderleider nicht kommen. So schade.

  2. SEBASTIAN sagt:

    Ah geh, für 30 Minuten über den Fluss, so lange kann man den Maler doch alleine lassen! Sehe es aber auch so, dass ich hier langsam mal einen separaten Veranstaltungskalender laufen lassen sollte…

  3. SEBASTIAN sagt:

    Also, Ihr (Georg, habe leider Deinen Kann-leider-auch-nicht-Kommentar verdaddelt) habt nichts verpasst. Dass zum Start eigentlich noch keiner (Köche, Jury, Publikum) da war und immer wieder der Strom ausfiel bzw. die Kochplatten gar nicht erst angingen kann man noch als „reale Bedingungen” sehen. Dass nur drei Bayerische am Herd standen, weil dem einen eingeladenen Asylbewerber wegen Abschiebebescheid nicht der Sinn nach so was stand, war bitter. Dass der eine Juror eine halbe Stunde zu spät kam und Sandra Forster gar nicht, ja mei. Dass für sie ein kleiner Junge mit Michael-Jackson-Perücke einsprang, je nun. Dass sich mancher dann vielleicht etwas blöd bis fehl am Platz vor kam, ja ach. Dass nicht aus echten Fresspaketen gekocht wurde sondern aus Einkäufen nach deren Vorbild, nun ja. Dass man bei alledem unter sich war – geschenkt. Dass keine Presse da war und auch keiner, denn das direkt betrifft – ein Glück. Dass ich da war- mein Pech. (Wobei es als reine Kochveranstaltung wirklich interessant war – so interessant wie die ursprüngliche Idee des Ganzen. Bei der die Kochveranstaltung aber nur Nebensache war.)

  4. Michael sagt:

    Hallo Sebastian,

    bin leider erst am 1. August nach München gezogen. (der Job) Wenn ich nur schon hier gewesen wäre, wäre ich auch gekommen. Dann wären wir wenigstens zu zweit gewesen. Küche, Kochen, Essen, Ernährung, Genuss können so Vieles sein, das habe ich schon eine Weile geahnt. Und das ist auch der Grund, warum das der einzige Blog ist, den ich lese. Oder um es mit Jamie Oliver zu sagen – Wenn wir schon den Rest unseres Lebens drei mal am Tag essen wollen, könnten wir das doch auch vernünftig machen. Bis bald. Micha.

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