Springbike

Frühling. Na klar freuen wir uns da alle. Auch wir Stadtradler, wenn wir nicht von der ganz hartgekochten Sorte sind, die am liebsten bei Erdbeben und Tornado gleichzeitig auf dem Bock sitzen, weil sie dann die Straßen und Wege für sich haben. Ich zähle mich inzwischen zu den mittelharten, in diesem Winter zum Beispiel habe ich meinen schwarzen Volvo (so sein Spitzname) dank Vollverkleidung auch bei Schneetreiben nicht stehen gelassen, nur wenn die Fahrrinnen auf den Radwegen zu arg vereist waren oder Ausgehen mit Radlosen anstand, nahm ich den MVV.

22-03-10-Springbike

Doch Bikecarven in der Nacht über frischgefallenem Schnee im Englischen Garten kann noch so schön sein, auf Dauer ziehe ich den Ritt durch die Isarauen bei Krokusblüte schon vor. Einer, der sich mit Sicherheit noch viel mehr über den Frühling freut, ist Danny Macaskill, den ich am Wochenende auf YouTube entdeckte. Eigentlich war ich ja auf der Suche nach einem Film über die durch Berlin radelnde Tilda Swinton, an den mich die sehr gerührte Kaltmamsell erinnert hatte. Und dann dies, das mir ebenfalls die Tränen in die Augen trieb – vor lauter Freude an der Freude.

Denn diesem Engländer beim Stadtradeln zuzusehen ist einfach nur – schön. Ja klar, es ist auch sensationell, aber erst einmal: sehr, sehr schön. Wie er ganz beiläufig eine beliebige englische Stadtkulisse mit ihren Eisenzäunen, Kirchentreppen und Parkbäumen in einen Abenteuerspielplatz verwandelt, dass man plötzlich durch seine Augen das ganze Leben als Parcour wahrnimmt; wie er dabei ein Kunststück nach dem anderen aus dem Fußgelenk schüttelt, als wäre das eine ganz normale menschliche Fortbewegungsart; wie man von Schnitt zu Schnitt glaubt, mehr kann jetzt nicht sein, und dann fliegt er einen Baum hoch oder eine Brücke runter oder läuft einfach auf dem Hinterrad rückwärts und macht dann einen Satz, und die Verkehrsinsel wird plötzlich … ach, seht selbst. Und hört, denn die Musik dazu ist ebenfalls sehr, sehr schön und so wie sie auf den Film zugeschnitten ist, daran merkt man auch, dass in dem Dreh und Schnitt viel mehr Dramaturgie und Präzision drin ist, als es auf den ersten Blick scheint. Auch sehr schön gemacht.

Das Schönste aber ist, in jedem der Sprünge und Schwünge von Danny Macaskill seine eigene Freude an all dem mitzuerleben, was er – das denke ich mir jetzt einfach mal so aus – schon seit seiner Kindheit in seiner Stadt da so treibt, jeden Tag ein bisschen mehr und ein bisschen besser, und jedes Mal mit irgend einem neuen Stück Stadt im Kopf, an das er sich als nächste ranwagen will.

Nur seine Mum tut mir ein bisschen Leid – nicht, weil sie in ständiger Angst um ihn leben musste (das könnte ja für den Pa genauso gelten), sondern weil ich mir die Geburt eines Sohnes mit einem an den Füßen angewachsenen Fahhrad physisch wie psychisch ziemlich grenzwertig vorstelle. Aber nach diesem YouTubeFilm mit gut 16 Millionen Zuschauern soll er ja ein Angebot aus Hollywood bekommen haben, da kann er ihr dann bei den Oscars danken. Ich heul jetzt schon. Ach, ich schau mir den Film halt noch ein drittes Mal an.

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4 Antworten auf Springbike

  1. katha sagt:

    wow! danke für den link, was für eine freude am montagmorgen! das ist technisch bestimmt alles extrem schwierig, aber es schaut halt überhaupt nicht so aus. eher leichtfüssig, lustig und sehr, sehr fröhlich.

  2. SEBASTIAN sagt:

    Gern geschehen, katha, sozusagen der Video-Response für diesen Tipp hier.

    Speziell für Montagmorgen empfehle ich diesen Spot hier:

    Und hier die Fortsetzung von Springbike: http://www.youtube.com/watch?v=UbJ1sseQVbY&feature=related

  3. Wahnsinnsparcours. Zu gefährlich – für mich. heart attack!

  4. PepeB sagt:

    Eine echte Offenbarung. Bin ich froh, dass der junge Mann einen Sturzhelm trägt :-D

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