__DIESE DINGE

Neues aus der Kochbürokantine

Donnerstag, 14. Januar 2010

14-01-10-et
Unsere Tabletts kommen jetzt aus Hamburg – das Zeug darauf aber immer noch aus dem Süden. Und beim Kaffee entdecken wir, dass Lieblingsfoodbloggerin Nicky drin ist.

Und wie findet Ihr das neue Tablett aus Hamburg?



Küchendampfradio ODER Eine Samstagabend in der Küche von Radio Bremen

Freitag, 4. Dezember 2009

04-12-09-Radio
Das ist mein Küchenradio. Und wie sieht Eures aus? Und was spielt sich da so ab? Blogger dürfen auch bloggen.

Eine Küche ohne Radio ist wie ein Sommer ohne Sonne: nicht lustig. Denn blöde Witze zum Morgenkaffeegebrodel, Mittagessen mit Lieblingsliedern, Spaghetti Carbonara zu Caruso machen das Kochen erst richtig schön. Und irgendwas paßt immer, was ja ziemlich basic ist. Das sollte auch das Gerät selbst sein, also so knopflos wie möglich, sonst steht man ja mehr am Radio als am Herd. Ganz wichtig: ein großer Einschaltknopf, der zur Not auch mit der Nase betätigt werden kann, wenn man gerade die Hände voll hat. Vorsicht aber vor allzu mitreißende Programmen. Denn wenn Töpfe ins Tanzen kommen und Steaks von der Welt vergessen in der Pfanne verbrennen, bleibt das Küchenradio lieber aus.

So haben wir das vor zehn Jahren in Basic cooking notiert, und wenn wir mal vom Nasenknopf absehen, habe ich mich da auch dran gehalten. Wobei ich die Entscheidung von Henry Klos, den Senderwahlknopf groß und den Lautstärkeknopf klein zu machen, für die falsche halte. Ich jedenfalls schwanke öfter zwischen laut & leise als zwischen B3 & 5, Klassikradio oder M94.5. (wobei nur zwei davon feste Größen sind…Tipps?)

An diesem Wochenende geht es aber nicht ums Radio in der Küche, sondern um die Küche im Radio. Während die Kulturkritik im Fernsehen schon kein Kochen mehr sehen mag, ist Kochen im Hörfunk immer noch eine stark vernachlässigte Disziplin. Zwischen launigen Schuhbeckschen Eigengewürztipps und Maggi-Werbespots ist ja auch tatsächlich wenig Platz für neue Formate, aber man könnte ja mal weiterdenken.

Dass wir mit „Rettet das Sonntagsbraten” was ganz großes Neues machen, würde ich da natürlich nicht behaupten, aber ich kenne einen Sternekoch, der in seinem Regionalsender einmal die Woche alles Mögliche gekocht hat, dass es nur so zischte und klapperte – wobei jeder Ton aufgezeichnet war und passend eingespielt wurde. Da könnte man doch ein Quiz draus machen: Klepperklepper, zischelisch, rührrühr – was gibt es heute? (Na?)

Sehr gerne hätte ich auch so eine Stunde im Nachtprogramm, bei der die Leute anrufen können und die klügsten und blödesten Fragen zum Kochen stellen können – so wie Onkel Poldi, der mal eine Bekannte anrufen ließ, als ich beim ARD Buffet als Nudelexperte war und fragen ließ, ob man Nudeln einfrieren kann. Heidewitzka, Herr Kapitän, das sollten sie mich mal nach Mitternacht fragen.

An diesem Samstag nähern wir uns dem zumindest ein bisschen, wozu ich allerdings erst mal weit weg fahren muss – nach Bremen, wo es einen literarischen „Abend in der Küche” gibt. Lea Singer (Die Zunge), Christoph Peters (Mitsukos Restaurant) und Jan Weiler (Maria, ihm schmeckt’s nicht) werden in der schicken Lehrküche der VHS aus ihren Büchern lesen, ich koche als Küchengott und sage auch was dazu (die Vermischung von Kulinarischem und Literarischem ist ja ein Minenfeld) und Radio-Bremen-Moderatorin Silke Behl wird daraus ein interessantes Gespräch mengen (selbst wenn es nur halb so interessant wie die Vorgespräche wird). Zum Kosten gibt es auch was – für die 70 Zuschauer. Aber das kriegen wir bald auch noch hin, liebe Hörerinnen und Hörer, immerhin könnt Ihr jetzt per Livestream den Computer zum Küchenradio machen. Das gab’s vor zehn Jahren auch noch nicht, oder?

Mehr zu Ein Abend in der Küche
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(rechte Spalte)



Rettet den Suppenteller

Mittwoch, 2. Dezember 2009

02-12-09-Teller1

Bei der Münchenr Suppenküche gab es ihn zwar schon lange nicht mehr, selbst als ich da Anfang der 90er meine ersten Münchner Mittage verbrachte, hatten sie schon diese großen Löwenkopftassen, aus denen man dann auch schlürfen durfte (das ist nämlich auch in Europa erlaubt, wenn die Suppentasse Henkel hat – also das Trinken zumindest). Die waren ja auch praktisch, wenn man sich an der Schlange der Wartenden aus dem Suppenhäusl wieder hinaus quetschen musste, wo die Suppe dann trotz Heizstrahlern an Tagen wie den jetzt langsam einsetzenden schnell kalt werden konnte, wenn sie so ganz offen und ungeschützt im Teller gelegen hätte. Und dass die Löwenköpfe von den neuen Münchner Suppenkpüchenwirten wegen schlechter Stapelbarkeit und drohender Löwenkopfabsplitterung sowie ständiger Gutbürgerlichkeit inzwischen aussortiert und durch wagamama-artigen Schalen ersetzt wurden, ist eine zu einfach Vorlage für kulinarische Kulturkritik, um das jetzt zu versenken. Denn ich gehe da immer noch hin, wegen er immer noch ordentlichen Suppen und dem einmaligen Drumherum.

Aber das einem jetzt auch in ganz normalen Wirtshäusern das Kenn- und Markenzeichen einer guten Bodenstandsküche in der Müslischale serviert wird, muss nicht sein. Wenn die Fritatten (ja, in Wiener Gasthäusern passiert das auch) sich in der nach unten verdunkelnden Brühe verschlingen wie Algenstränge in einem umkippenden Tümpel, wenn der Leberknödel einen närrischen Tanz in der Schalenkuhle aufführt, nur weil man ihn zerteilen will, dann möchte ich der Servierkraft am liebsten zurufen: „Bringt’s mir einen Suppenteller, aber bitte!”, wenn ich nicht wüsste, dass der schon längst irgendwo ins östliche Europa gekarrt wurde, wo er wahrscheinlich bald über die Chinesische Mauer setzen wird, um dann irgendwann von Hongkong als neuester Trend in die Londoner Schickküchen zurück zu kehren, von wo er dann noch mal ein Jahrzehnt bis nach München brauchen wird. Wozu also jetzt rufen, vor allem nach Münchner Servierkräften .

Daheim habe ich aber noch welche, von diesen seltsam flach gewölbten Gefäßen, die meine Söhne zumindest noch von Fürstenfeldbrucker Italienern kennen, wo die Spaghetti Pesto noch nicht auf flachen Tellern oder in jenen porzellanenen Unisex-Radkappen serviert werden, die auch gerne als Platzteller, Kuchenplatte oder Rosenbecken genommen werden. Bei aller Liebe zum Neuen, zum Asiatischen, zum Ungewöhnlichen, ich mag es schon sehr, wenn so ein weißer Suppenteller wie eine Leinwand die Kraftbrühe darin golden im Mittagslicht aufleuchten lässt, während die Grießklösschen keck herausschnuppern, weil ich meinen Muskat über alles reibe. Dann das Klappern des Löffels auf Porzellan gefolgt vom leisen Abschlürfen, am besten mit zwei, drei anderen schweigenden Leuten am Tisch und sonst ist auch nichts zu hören – besser kann Suppe nicht klingen.

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Heute Mittag nun füllte ich meinen Klangteller mit reiner Erde – Rüben und Wurzeln aller Art, gekocht in nichts als Wasser mit ein wenig Salz und ein paar Kardamomkapseln darin, die wohl eher nicht in der Erde wachsen, aber eine kleine wehmütige Erinnerung nur für mich alleine waren. Darin kochte eine Zehe Ingwer mit, darüber dann Meerrettich und dazu noch ein wenig Avocado, denn die musste weg. Klang alles sehr gut.

(Oder hatten die damals doch noch Teller in der Suppenküche?)