
Das ist mein Küchenradio. Und wie sieht Eures aus? Und was spielt sich da so ab? Blogger dürfen auch bloggen.
Eine Küche ohne Radio ist wie ein Sommer ohne Sonne: nicht lustig. Denn blöde Witze zum Morgenkaffeegebrodel, Mittagessen mit Lieblingsliedern, Spaghetti Carbonara zu Caruso machen das Kochen erst richtig schön. Und irgendwas paßt immer, was ja ziemlich basic ist. Das sollte auch das Gerät selbst sein, also so knopflos wie möglich, sonst steht man ja mehr am Radio als am Herd. Ganz wichtig: ein großer Einschaltknopf, der zur Not auch mit der Nase betätigt werden kann, wenn man gerade die Hände voll hat. Vorsicht aber vor allzu mitreißende Programmen. Denn wenn Töpfe ins Tanzen kommen und Steaks von der Welt vergessen in der Pfanne verbrennen, bleibt das Küchenradio lieber aus.
So haben wir das vor zehn Jahren in Basic cooking notiert, und wenn wir mal vom Nasenknopf absehen, habe ich mich da auch dran gehalten. Wobei ich die Entscheidung von Henry Klos, den Senderwahlknopf groß und den Lautstärkeknopf klein zu machen, für die falsche halte. Ich jedenfalls schwanke öfter zwischen laut & leise als zwischen B3 & 5, Klassikradio oder M94.5. (wobei nur zwei davon feste Größen sind…Tipps?)
An diesem Wochenende geht es aber nicht ums Radio in der Küche, sondern um die Küche im Radio. Während die Kulturkritik im Fernsehen schon kein Kochen mehr sehen mag, ist Kochen im Hörfunk immer noch eine stark vernachlässigte Disziplin. Zwischen launigen Schuhbeckschen Eigengewürztipps und Maggi-Werbespots ist ja auch tatsächlich wenig Platz für neue Formate, aber man könnte ja mal weiterdenken.
Dass wir mit „Rettet das Sonntagsbraten” was ganz großes Neues machen, würde ich da natürlich nicht behaupten, aber ich kenne einen Sternekoch, der in seinem Regionalsender einmal die Woche alles Mögliche gekocht hat, dass es nur so zischte und klapperte – wobei jeder Ton aufgezeichnet war und passend eingespielt wurde. Da könnte man doch ein Quiz draus machen: Klepperklepper, zischelisch, rührrühr – was gibt es heute? (Na?)
Sehr gerne hätte ich auch so eine Stunde im Nachtprogramm, bei der die Leute anrufen können und die klügsten und blödesten Fragen zum Kochen stellen können – so wie Onkel Poldi, der mal eine Bekannte anrufen ließ, als ich beim ARD Buffet als Nudelexperte war und fragen ließ, ob man Nudeln einfrieren kann. Heidewitzka, Herr Kapitän, das sollten sie mich mal nach Mitternacht fragen.
An diesem Samstag nähern wir uns dem zumindest ein bisschen, wozu ich allerdings erst mal weit weg fahren muss – nach Bremen, wo es einen literarischen „Abend in der Küche” gibt. Lea Singer (Die Zunge), Christoph Peters (Mitsukos Restaurant) und Jan Weiler (Maria, ihm schmeckt’s nicht) werden in der schicken Lehrküche der VHS aus ihren Büchern lesen, ich koche als Küchengott und sage auch was dazu (die Vermischung von Kulinarischem und Literarischem ist ja ein Minenfeld) und Radio-Bremen-Moderatorin Silke Behl wird daraus ein interessantes Gespräch mengen (selbst wenn es nur halb so interessant wie die Vorgespräche wird). Zum Kosten gibt es auch was – für die 70 Zuschauer. Aber das kriegen wir bald auch noch hin, liebe Hörerinnen und Hörer, immerhin könnt Ihr jetzt per Livestream den Computer zum Küchenradio machen. Das gab’s vor zehn Jahren auch noch nicht, oder?
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