Archiv für Dezember, 2007

Das wird schon besser

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Das gebrochene Knie ist nur noch ein gebrochenes Schienbein, das am Samstag schon wieder nach Hause humpeln darf. Der Kollaps trinkt schon wieder Sekt für den Kreislauf. Und die Katze kann das Fischen schon wieder nicht lassen.


Klassische kalte Weihnachtsmittagsplatte vom Käs Müller am 26. 12. (im Uhrzeigersinn ab 6 Uhr):
Heringshappen in Gelee, alter Gouda, Vacherin, Waldorfsalat mit Flußkrebsen, Leberpastete, Räucherlachs,
Trüffelsalami plus schon wieder rotzfreche Katze.



Mir reicht das

Dienstag, 25. Dezember 2007

Ende November ist es glatt in Wien, es bricht sich jemand den Oberschenkel und ein 80. Geburtstag fällt aus. Letzte Woche fällt jemand in München vom Hocker und bricht sich das Knie. Die Nacht drauf kriegt jemand einen Kollaps auf dem Land. Und am Heiligabendmorgen bekommt die Katze im Wohnzimmer eine Gehirnerschütterung. Daraufhin kommt die Gans in den Tiefkühler statt in den Ofen. So still war es noch nie an Weihnachten. Trotzdem darf das 2008 besser werden. Gerne auch das ein oder andere im Laufe des Jahres.

Gute Wünsche für uns alle.



Hessenmittag

Freitag, 21. Dezember 2007


„Deckelcher” – Hessens Antwort auf Tapas (= „Deckel”)
in Form von Apfelweinbrot mit Leberwurst auf Geripptem,
gesehen im Goldenen Engel zu Bergen-Enkheim

Davon muss ich einfach noch erzählen, bevor das Jahr rum ist, von diesem Rundumwohlfühlsonntag, an dem ich keine Sorge hatte, irgendwann was Schlechtes zu essen, zu trinken oder zu reden, weil sie wirklich alle gut zu mir waren und jeder von uns auf der gleichen Welle sendete. Was – sorry München – damit zu tun hatte, dass es in Frankfurt passierte. Da, wo man lieber über sich selbst als über andere lacht, wo man sisch verschteht, weil ewwe alle isch zu sisch sagen; da wo isch herkomm.

Und am Samstag vor zwei Wochen bin ich da hin gefahren und habe am Abend bei Tante und Onkel Käsebrot und Hühnersuppe gegessen und am Morgen Kartoffelbrötchen mit Quittengelee und dann bin ich nach Frankfort rein zum Dornbusch, wo der Hessische Rundfunk seine Sonntagvormittagsendung HR3zeit noch live sendet mit Leuten wie Till Schweiger und Tim Mälzer im Studio.

An der Pforte holte mich dann eine extrem gut gelaunte Frau ab, mit der man gar nicht anders als sofort ins Gespräch kommen konnte, bis man – schwupps – in einem Studio stand und irgendwann war die Musik aus und das Mikro an und die Frau klebte da dran wie ein kleines Mädchen an ihrem ersten Eis und als sie sich vorstellte, bekam ich fast einen Vogel – Martina Regel, die Martina Regel, die ich noch in Hessen schon immer gehört hatte und die auch im wahren Leben so was von Radio ist, dass es eine Naturgewalt ist.


Martina Regel, amateurhaft festgehalten in einem kurzen Moment der Ruhe –
irgendwie lässt sich Essen leichter fotografieren.

In den nächsten drei Stunden redeten wir immer wieder mal übers Kochen und Essen, wie mache ich eine Gans, was sind die besten Weihanchtsmenüs für Doofe, Lahme und Arme, pardon, ich meine natürlich, die jeder kochen kann, die schnell gehen, die günstig sind. Off the record dann noch ein paar Weisheiten fürs weitere Leben von einer, die schon einiges erlebt hat, dazwischen immer wieder Anrufe von Hörern, die auf faszinierende Weise von zwei Damen im Hintergrund verwaltet wurden (inklusive digitaler Einblendung, wenn ein Radiotroll in der Leitung ist sowie Aufnahme der besten Fragen für die Einspielung während der Sendung, wo ich sie dann perfekt beantworten konnte). Klasse war’s und wer jetzt Hunger bekommen hat – hier sind sie, die Menüs.

Währenddessen schien draußen die Mittagssonne vom Himmel und ich wählte eine Nummer, die ich mir für alle Fälle schon mal zurechtgelegt hatte – Goldener Engel in Frankfurt Bergen-Enkheim, von dem ich schon Gutes gelesen hatte in den einschlägigen Medien und man erkannte mich dann auch gleich am Telefon und schlug den besten Tisch frei für den Restaurantkritiker aus München – so mache ich das ich das immer, müsst Ihr wissen. Zumindest, wenn eine Internetbekanntschaft ein neues Lokal eröffnet.

Und dann hocke mer in eener Wirtschaft, die ich mir so sehr in meine Münchner Nachbarschaft wünschen würde: traditionell ohne Tümelei und Retro-Ironie, geführt mit einer professionellen Leidenschaft, die über Jahre an der Frankfurter Gastrofront gereift ist, wo man leicht auch die Freude an der Branche verlieren kann.

Ein älteres Paar beim Schoppen, gutbürgerliche Familien beim Kalbsbraten, der Mittagesser bei einer echten Bauernbratwurst mit Zwiebelschmelz und handgestampftem Kartoffelpüree, später schneien noch ein paar junge Semester rein, die sich freuen, dass hier wieder auf ist und gleich mit dem genüsslichen Versumpfen anfangen – und mittendrin Wirt Fressack in der Lederweste am Bembel mit einem guten Spruch für jeden. Was für ein Hessenmittag!

Er ragte dann noch gefährlich in den Nachmittag, und weil es hier erstmal noch keinen Kaffee gibt, dafür aber eine Schnapskarte für Kenner wie ich keiner bin, der Wirt aber schon und so landen wir beim Brand vom Speierling, jener Frucht, die den Apfel erst zum wahren Äppler macht und leider auch gebrannt sehr gut ist…

…so dass ich wirklich einen sehr späten Zug zurück nach München nehme und versuche, mich mit Salzschokolade wieder auf die Erde zurück zu holen.

Woran ich mich aber noch gut erinnere: die Idee, dort im beschaulichen Herzen des europäischen Verkehrsdrehkreuzes mal ein Foodbloggertreffen zu organisieren. Also, isch bin dabei!

P.S.:


Tja, mein liebes München, und so schön können ein paar Hochhäuser mitten in der Stadt aussehen…


…vor allem, wenn man so einen Bahnhof dagegensetzen kann.


Bis bald mal wieder.