Archiv für Januar, 2008

Fünf Minuten Mittelmeer

Mittwoch, 30. Januar 2008

An einem geschäftigen Tag zwischen zwei Terminen durch Klein Istanbul (Münchens Bahnhofsviertel) zum Hieber-Lindberg-Chaos (Noten kaufen), dann Lust auf einen kurzen Kaffee. Bon valeur? Die Gefahr des Hängenbleibens ist zu groß. Und ich brauche Zeitung. Also rein in die Agip-Tankstelle, die hier als Spitze eines Tiefgaragenkomplexes mitten in die Stadt reinragt. Die Musik ist laut, die Signora hinterm Tresen stoisch professionell. Habt’s ihr auch einen Espresso? Und wie: Vollautomat zwar, aber dafür fast perfekt. Für italienische 99 Cent. Dazu ein Stück Ferrero und zur Feier der Minute mein drittes Handyfoto im Leben. Wie man sowas wohl ins Internet kriegt?



Bitte, Bayern 3…

Montag, 28. Januar 2008

…habz ein Erbarmen mit uns Mainstreamdreamern, die einfach nur hören wollen, was viele hören, ohne dabei blöd zu werden.

…spielz nicht immer nur die Top 20 minus der nicht mainstreamigen 10 am Tag, so dass man schon fast dankbar für einen neuen Szong von dieser Lenny Kravitz sein muss, auch so eine schwarze Rockröhregöre wie die Alicia Keys oder die Leona Lewis oder die Celine Dion…

…lasstz diese Mega-Star-Sirene weg, bei der ich immer an kreuzbrave Altrockfans denken muss, die plötzlich ihre Kinder verschreckend wie in ihren wilden Zeiten den Frühstückstisch umwerfen und zum Telefon hechten, um dann grenzdebil in den Hörer zu stammeln, zu jubeln, zu röcheln, wenn sie wirklich durchgekommen sind, bis sie am Ende chefdummgönnerhaft immer, immer, immer rufen: „Macht weiter so!”

…spielz von mir aus Bryan Adams so viel ihr wollt – nur bitte sagt nicht mehr „Kultachtziger”.

…spielz ruhig auch noch „Hey Delilah”, obwohl ich beim ersten Hören nie gedacht hätte, dass ich dieses Lied einmal nicht mehr hören könnte, nur, lasstz Euren Roboter nicht mehr dazu jinglen: „Ein Bayern-3-Newcomer”. Weil das dreimal nicht mehr stimmt.

…erzählz uns bitte nicht, dass ihr diesen Song für uns entdeckt habt, weil ihr ihn einen Tag vor Antenne Bayern gespielt habt. Wir hören nämlich auch Sender, die nicht aus Bayern senden. Und entdecken Musik nicht nur im Radio („Hey Delilah” zum Beispiel beim Karaoke, weil wir dachten, es wäre von Tom Jones).

…gehz endlich mal ans Telefon, wenn ich bei der Sirene hinterm Frühstückstisch vorhechte, um mir aufzählen zu lassen können, für wen ich jetzt alles ein Magastarkonzertticket haben können könnte, um dann jedesmal nur barsch „Weiter!” sagen zu lassen können und am Schluss dann: „Die könnt ihr Euch…!” Ich höre schon jetzt die Bonjovifans weinen!

…vergesstz das Seminar, in dem Ihr gefühlte hundert Jahre nach der Bullyshow die Idee von der Mehrfachmoderation entwickelt habt.

…vergesstz zweimal das Seminar, in dem Ihr die Idee zu „Die Zwei” gehabt habt – Roger Moore und Toni Curtis leben schließlich noch!

…ansonsten: Matuschke forever. Oder ne, sonst wird er so, wie Gottschalk jetzt ist oder sogar so, wie Jauch immer war.

…und optimierz Euren Online-Auftritt mal, dass man nach Programm oder Leuten surfen kann, ohne die Suche zu brauchen (und dort auch zu scheitern). Dann verlinke ich auch gerne auf Euer schönes Wochenendnachtprogramm und nicht auf den ollen WDR – wenn ich den Namen von Eurem Wochenendenachtprogramm nicht schreiben muss.



Go, tell it from the mountains: Essen ist schön

Montag, 28. Januar 2008

Du läufst, fährst, machst, tust, räumst Ecken aus und füllst andere an, schlägst Dir Zeit frei und die Lücke füllt sich sogleich wieder. Einmal ärgert Dich, dass Du nichts dagegen tun kannst, einmal, dass Du nichts dagegen getan hast. Kunden zahlen nicht. Der Briefträger bringt Rechnungen. Zahlst Du nicht, ist der Ärger immer größer als der, den Du machst. Also zahlst Du. Und arbeitest lange in die Sonntagnacht hinein, denn die Kunden brauchen morgen Deine Arbeit und Du bist nicht da.

Montagmorgen, 7.30 Uhr. Du solltest jetzt eigentlich schon nicht mehr da sein, aber weil Du in der Nacht Deinen Wecker nicht gefunden hast und Dein neues Handy gestellt hast, hat da irgendwas nicht funktioniert. Kurzer Blick ins Netz, aha, mit dieser Verbindung kommst Du noch rechtzeitig nach Berchtesgaden, wo Du heute Abend kochen wirst: Mit dem IC nach Salzburg und dann weiter mit dem Bus. Na servas!

Und dann findest Du dich wieder in einem Salonwagen mit stierblutroten Sesseln unter einer goldgefassten Kuppel, auf den gestärkten Tischtüchern stehen Seidenblumenvasen und ein Essig-Öl-Menage, der schwarzweiße Kellner spricht piroschkanesisch und bringt Dir eine große Gasthausspeisekarte in Kunstleder mit Fotos von richtigen Spiegeleiern darin, wie sie der Junge von der Minibar gerade neben Dir isst (und wohl auch fotografiert hat), außerdem finden sich noch „Gipsy Roast” (Zigeunerbraten) und „Schonungsspeisen” (Wellness Food), „Túros Palacsinta” (Topfenpalatschinken) und „Saftgulasch” auf der Karte – dieser Zug fährt nach Budapest.

Da ich jedoch als erstes am Tag weder eine Paprikahendl noch einen Barack palinka schaffe, bestelle ich das „continental breakfast”: zwei angeschnitte Kaisersemmeln, je ein Päckchen Butter, Marillenmarmelade (auf der Aprikose steht) und eine Suppentasse Oh-je-Tee. „Bittascheeen”. Danke Ungarn, Du hast mir heute das Leben gerettet.

Die Busfahrt ist danach wie ein Ausflug, das Kochen mit Uli sowieso und Zeit für eine paar Schonungsübungen im Hotel bleibt auch noch. Dass dann am nächsten Morgen um sieben das bestellte Taxi auch nach 20 Minuten noch fehlt, als der Zug unten im Tal kurz vorm Abrollen ist, dass der Nachtwächter kurzerhand den Feierabend (Feiermorgen?) vorzieht und mit mir parallel zu den Bummelzugschienen die Verfolgung bis Bad Reichenhall aufnimmt, wo ich dann aber doch Sekunden zu spät bin und mit dem Taxi weiter nach Freilassing fahre, wo die Züge öfter fahren, dass ich dort dann auch noch einen spektakulären Fehlgriff am Kiosk mache…

…egal. Ich mag meinen Job trotzdem.

Und lege mich daheim ins Bett und mache nach dem Aufstehen guten Mutes auf meine Art den Ärger, den sonst andere machen, wenn ich nicht zahle. Und es funktioniert! Eszegere.