Ruhe im Beton

Manchmal liegen Schönheit und Hässlichkeit nahe zusammen. Man kann in Italien ganz herrlich essen – aber auch ganz furchtbar, zum Beispiel in einer Raststätte oder in der Kantine des olympischen Dorfes in Turin, wie Skifahrerin Martina Ertl-Renz jetzt berichtet hat. Die Olympischen Spiele sind ohnehin ein Phänomen, bei dem das Schöne und Hässliche sich manchmal schrecklich nahe sind, was wir gerade in München nur zu gut gelernt haben. Aber lasst uns beim Essen nicht über Politik reden, sondern über – Ästhetik?

Der Münchner Olympiapark kann ein wunderbarer Ort sein, wenn man etwa auf seinen Hügeln steht (die sich einst aus dem Schutt der Münchner U-Bahnröhren zu kleinen Mini-Alpen geformt haben) und bei Föhn der Blick bis zu den echten Alpen reicht. Oder wenn man abends am Olympiasee hockt bei einem freien Freiluftkonzert. Oder wenn man früher bei Bayern München gegen Eintracht Frankfurt im Olympiastadion saß und auf ein Stilleben aus Rasengrün, FCB-Rot und Himmelblau schaute, in das sich aus den Wellen des Daches der Olympiaturm reckte.

Am falschen Tag am falschen Ort kann der Olympiapark aber zur Wüste werden, etwa wenn man unter Hochnebel sich durch die Betonriffe zwischen U-Bahn und Olympischem Dorf kämpfen und unter grauen Mauern durchtauchen muss. Bis sich in einem der Felsblöcke ein Spalt auftut und man die bayerische Allerweltweit-Atmosphäre eines Seminarhotels darin als Wohltat empfindet. Dicke Teppiche, pastellige Vorhänge, dunkles Holz, durchgeschulter Service, der Mittagskarten-Mix aus Entenbrust, Rostbratwürstl und Fitness-Salaten – ein sicherer Hafen in betonschwerer See. Für alle, die es hierher verschlagen sollte, die Fakten: Meine „Paprikafleckerl mit Kürbiskernen” zu 7,80 Euro sind eher weiche Farfalle in mit viel Würze (gut) und Öl (nicht so gut) geschmortem Gemüse (nicht schlecht). Das bestellte Wasser dazu wird ungefragt zur großen Flasche Pellegrino, was man dem superfreundlichen Kellner aber kaum übel nehmen mag. Man könnte schließlich auch im Olympiadorf von Turin essen müssen.

Bayern Stubn im Four Points Sheraton München
Mix aus bayrischem und internationalem Geschäftshotelrestaurant ohne Überraschungen und Enttäuschungen, was in den Betonausläufern des Oly-Dorfs fast schon wieder erholsam ist.
München-Olympiapark, Helene-Mayer-Ring 12, Tel. 089-357510
Mo-Sa 6.30-22.30, So 6.30-11 Uhr



Kommentar hinterlassen