WIE KOCH’ ICH… eine Idee?

Es gilt: rettet-das-mittagessen.de macht keine Reklame. Wirbt also nicht für etwas gegen Geld und wegen des Geldes. Auch wenn das Etwas gut ist. Dafür wirbt es einfach lieber so. Etwa fürs Schlaukaufen, Selberkochen, Ausgehen und all die Orte, Dinge, Leute dafür. Eben für ein gutes Mittagessen.

Es gilt aber auch: rettet-das-mittagessen.de macht Arbeit. Die wiederum macht Freude und das Echo, die Bekanntschaften und Gespräche, die es mir und anderen verschafft, sind ein ordentlicher Lohn dafür. Aber manchmal regt er sich, der innere Schweinehalter, und versucht mir mal wieder die beiden Eff-Wörter nahe zu bringen (Effizienz, Effektivität). Und nur damit er still ist, tue ich was, das effizient, effektiv oder auch nur eventuell sein könnte. Daher also: heute Werbung. Nicht gegen Geld, aber für mein neues Buch, das „Wie koch’ ich …?” heißt und beim Gräfe und Unzer Verlag erschienen ist. Um nicht zu flach zu werden, möchte ich das Buch als Objekt für eine kleine Serie über das Kochbuchmachen verwenden, von der Idee bis zum Verkauf. Heute also:

WIE KOCH’ ICH … eine Idee?

Letztes Jahr kamen sie vom Verlag und erzählten, was Buchhändler ihnen erzählen: Ein Kunde, oft männlich, kommt und will ein Buch, das ihm das Kochen von Anfang an klar macht. Der Händler zieht „Basic cooking” aus dem Regal. „Nein,” sagt der Kunde, „zu kompliziert mit der ganzen Theorie. Ich will einfach nur wissen, wie ich mir Kartoffeln koche oder ein Spiegelei brate.” Nicht selten verlässt er dann das Geschäft verschämt mit dem „Kochbuch mit der Maus” in der Tüte. „Das geht nicht,” hat der Verlag letztes Jahr gesagt, „dass der Leser da erstens nichts findet und zweitens mit einem Buch von den anderen heimgeht.” Ob ich da nicht was machen könnte?

Also ne jetzt, hab’ ich gesagt. Wir haben doch schon tapfer alles in den Basics erklärt und dann in „Kochen! Das Gelbe von GU” noch mal über 1000 Rezepte nachgelegt, auch für Salzkartoffel und Spiegeleier. Wem das nicht reicht, also bitte…! Wie wär’s denn lieber mal mit einem Buch mit persönlichen Rezepten von mir? (Basiswissen I: In den Basics wie in „Kochen!” sind eher die Worte und Ideen von mir, aber kaum die Rezepte.)

„Och, na ja …” hat der Verlag gesagt (Basiswissen II: Ratgeberverlage sind erst einmal keine Autorenverlage. Ihre Bücher werden eher wegen der Themen statt wegen der Namen auf dem Titel gekauft. Und wenn so ein Name zum Titel werden will, ist das eher eine ungewohnte Übung.) Ja klar, habe ich gesagt, eine gute Idee braucht es schon. Denn nur wenn der Rat wirklich gut ist, will man mehr von seinem Geber wissen. (Basiswissen III: Selbst wenn ein berühmter Name auf dem Buch steht, selbst wenn der einem ganz berühmten Koch gehört, dann ist das noch keine Garantie, dass es ein entsprechender Erfolg wird – wenn die einzige Klammer für das Gesammelte nur der Promi oder „irgendwas mit Italienisch” ist. Fernsehköche ausgenommen.) Und beide dachten: Na gut, dann erst Mal nicht.

Aber dann dachte ich weiter nach. Das geht beim Kochen von einfachen Sachen am besten. Etwa bei Salzkartoffeln. Da stand jemand daneben und fragte, warum ich die jetzt in kaltem Wasser aufsetze statt wie Nudeln ins kochende zu werfen. Na, weil sie dicker als Nudeln sind und erst nach und nach und durch und durch al dente werden sollen statt außen weich und innen fest. „Wie bei mir oft,” sagt sie, „wieder was gelernt. Und was machst du da jetzt mit Knoblauch und Lorbeer?“ Ei, warum immer nur Salz an die Kartoffeln? Der Trick ist von Mutter und lässt die Knollen schön nach Süden schmecken – gut zum Fisch. „Geht das auch mit was anderem?” Ingwer, Chili oder Wacholder, Rosmarin, Thymian oder Zitronengras, alles möglich. Und statt Wasser kann es Brühe sein. Oder Wein.

So entstand dieses Bild vor Augen: Es kommt Besuch, der gerne isst und gerne kochen würde, wir plaudern, gehen in die Küche, wo ich erst mal was Simples mache und der Besuch neugierig wird, bis er – hoppla – selbst an Brett und Herd steht. Und gleich noch die hohe Kunst des Zufügens, Weglassens und Veränderns kennen lernt, die aus Köchen Zauberer macht. Also ein Butterbrot mit Kräuterbutter schmiert, die selbst gemacht ist mit Quark und Radieschen darin. Oder in fünf Minuten eine Möhrencurrysuppe kocht, mit der man alle Authentizität-Aficionados, Frische-Freaks und Produkt-Puristen zum Lächeln bringen kann (und sich dabei einen grinsen darf). Bis es dann ein Kinderleichtes ist, Pfannkuchen zu werfen und den besten Kaiserschmarren in meiner Welt zu machen.

Kurz gesagt: Mein Gast fragt „Wie koch’ ich…?”, ich sag’ ihm, wie ich’s koch und daraus macht er dann sein „So koch’ ich!” Das war dann die Idee zum Buch. Und weil es seit letzter Woche im Laden ist, haben wir das gleich mal mit einer Handvoll Journalisten ausprobiert: Erst plaudern, dann loskochen, bis alle am fragen, machen und Pfannkuchen werfen sowie am essen, trinken und reden sind bis weit nach Feierabend. Hat geklappt. Und gestern Mittag gab es, was übrig blieb:

Grüne-Sauce-Kräuterbutterbrot, Orientofenkartoffeln
(aufgegessen) und Carrot Shot aus „WIE KOCH’ ICH…?”
von Sebastian Dickhaut (hier an der Kamera) und
Coco Lang (sonst an der Kamera, hier an der Tasse) mit über 170 Dummy-
und Zauberrezepten für alle, die Kochen wollen.
Erschienen bei Gräfe und Unzer.

Nächste Folge: WIE KOCH’ ICH…den Inhalt?

Ein schönes Wochenende wünscht Euch der Mittagesser.


ACHTUNG: Wie ich leider erst jetzt bemerkt habe, funktioniert die Funktion „Kontakt” auf der Mittagesser-Seite nicht richtig – alle e-Mails, die dort direkt ins Formular geschrieben wurden, sind nicht bei mir angekommen bzw. lagern irgendwo zwischen. Bis dieses Lager gefunden und die Sache behoben ist, bitte direkt auf die Mail-Adresse über dem Formular klicken, schreiben und senden. Vor allem jene, die sich wundern, warum dieser unhöfliche Stiesel hier sie einfach ignoriert hat … Entschuldigung.



10 Kommentare zu “WIE KOCH’ ICH… eine Idee?”

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