Brot Kha Gai
Ok, das war wirklich gemein. Bauernbrot und Kokosmilch, zwei leere Schalen und eine geheimnis-volle Gefriertüte, aufgenommen im Abendblitzlicht Stunden nach der Verspeisung – da konnte selbst die leicht zu ratende Restequelle das Resterätsel der Lösung nicht viel näher bringen. Ich fang jetzt mal damit an.

Da waren einmal die Reste der letzten Freitagsküche: ein Stückchen Tafelspitz, ein Schüsselchen Zitronenlauch und ein Topf voll Tafelspitzbrühe. Dann war die Lust auf was Körperweckendes und Seeleberuhigendes zugleich. Auf Suppe also, asiatische am besten. Und da war diese Gefriertüte im Kühlschrank, wie sie eine Kollegin beim letzten Foodjournalistentreffen uns allen Kollegen in die Hand gedrückt hatte. „Mein Nachbar macht seine Currypaste selbst und hat mich gefragt, ob ich beim nächsten Mal was davon abhaben will”, erzählte sie, und als sie wollte, stand der gute Koch am nächsten Tag mit einem Fünflitereimer roter Currypaste vor der roten Kollegin.
Was der zuviel des Guten und Scharfen war, weswegen ich am Sonntag nach und nach 4 TL von dieser recht fruchtig milden Paste zusammen mit 2 Knoblauchzehen und 1 daumengliedgroßen Stück Ingwer in Würfelchen plus 1 TL fein geriebener Zitronenschale und 1 EL grob geriebener Möhre in 3 EL des fetten Kokosmlichrahms (Dose nicht schütteln!) 5 Minuten leise vor sich hinschmurgeln lassen konnte.
Dazu kamen dann das Schälchen Zitronenlauch, ein Hand voll Tafelspitz in Stücken und 3/4 Liter Tafelspitzbrühe mit der ungerahmten Kokosmilch aus der Dose (so 200 ml), was ein paar Minuten leise köchelte. Währenddessen entwickelte sich eine Variation des Butterröstbrotes vom Freitagscafé, das damals auf den Grund der Tafelspitzsuppenschale gelandet war. Nun schmolzen 2 EL fester Kokosrahm in der Pfanne, da hinein kamen zwei Bauernbrotscheiben, die sich erstmal mit der Kokosmolke vollsogen, um dann im verbliebenen Fett goldgelb zu rösten, was in seinem Automatismus ja schon fast molekulargekocht, auf jeden Fall aber sehr geschmackvoll war und demnächst in seiner puren Form weiter entwickelt wird.
Jetzt aber kamen die Scheiben auf den Schalengrund, die mit dem Saft einer halben Zitrone verrührte Suppe darüber, gehackte Zitronenmelisse darauf und das übrige Ei im Glas vom Freitag ganz obenauf. Und obwohl die Mitesserin sonst Schwemmbrot verabscheut, nahm sie es hier ohne einen Mucks zu sich, was ein klares Lob war. Gern geschehen.
P.S.: Wem das zu wild war, der kann’s auch gerne klassischer haben – im neuen Magazin „Lust auf Genuss – so kocht Asien”, in dem die Bestseller der Küchen Chinas, Thailands, Vietnams und Indonesiens versammelt sind. Mit sehr, sehr schönen Bildern vom Feinschmecker-Hausfotograf Jan Peter Westermann und Rezepten von mir. Die echte Tom Kha Gai ist auch dabei.

P.P.S.: Wem das zu exotisch ist, hier der Sonntagmittagnachtisch – Pfirsichsahne und die vielleicht noch bessere beste Prinzregententorte Münchens aus einer Giesinger K.u.K.-Konditorei, von der noch berichtet werden muss.


10. März 2010 um 11:22
ich will beides, jetzt.