Die Prima-Promi-Pizza-Party

Ich bin ja noch fremd hier in der Welt des Bloggens, ein Außerirdischer sogar. Weil ich von einem Planeten komme, auf dem ich meine Sachen in Büchern und Zeitschriften veröffentliche. Böse Blogger nennen das MSM: Mainstream Media. Also die Branche der Wahrheitenfilterer, Anzeigenjunkies, Schreiber von oben. Foodblogger sind selten böse, vielleicht, weil sie ein schönes Thema haben, vielleicht, weil es ihnen weniger um “die” Wahrheit geht als um guten Rat und gute Rezepte. Und die Basis dafür ist nicht selten ein Buch oder eine Zeitschrift. Was einem Schreiber wie mir aber noch lange keine Eintrittskarte garantiert.

Ein Glück beim Eintritt in diese fremde Atmosphäre war, dass ich dabei direkt vor der Nase zweier freundlich gesinnter und recht angesehener Bewohner des Planeten Foodblog landete – Nicky und Oliver, die vom anderen Ende unserer Straße jede Woche ihre delicious:days in die Welt senden und dafür sogar in den USA für die Bloggie-Oscars nominiert wurden. Wir trafen uns auf halber Straße erst auf einen Kaffee, dann auf einen Drinks und schließlich zu einem Buch – meinem Buch, zu deren Vorstellung ich die beiden eingeladen hatte. Schon vor (also nicht wegen) ihrer schönen Geschichte darüber hatten wir ausgemacht, dass wir uns mal an einem Freitagmittag zum gemeinsamen Kochen treffen. Und letzten Freitag war es soweit.

11.15: Der Klassiker, Treffen bei der Suppenküche auf dem Viktualienmarkt, dann wird besprochen und gesammelt. Auf der Badezimmerheizung des delicious:flat entwickelt sich derweil schon das Grundthema des Tages, ein stattlicher Pizzateig. Und im Ofen wartet eine Pizzastein auf uns. Eine Idee, die mir auf Anhieb gefallen hat, gerade weil ich selbst nicht sooo der große Bäcker bin. Auch auf den Gedanken, bei der Gelegenheit gleich mal ein paar Rezepte von prominenten Kollegen auszuprobieren, wäre ich selbst nicht so schnell gekommen. Aber diese Blogger-Tradition interessiert mich. Einen Espresso später steht das Menü: Von “Born to cook” (Entenhackpizza nach Tim Mälzer) über “Koch doch” (Kartoffelpizza mit Schinken und Blutorangen nach Alexander Herrmann) zu “Essen ist fertig” (Überraschungsnachtisch nach Jamie Oliver), ergänzt durch zweimal “Wie mach’ ich?” (Pizza Provencale und Rahmpizza mit grünen Tomaten und Bärlauch nach Dickhaut). Vom Salat zuvor hatten wir es ja schon.

12.50 Abladen der Tüten in der Küche von Nicky und Oliver, die beruhigend normal in ihrem schwarz-weißen Chic ist – auch sie wünschen sich mehr Arbeitsfläche und mehr Platz im Kühlschrank. Nicky ruft “Hol mal den Teig aus dem Bad”, Oliver hat ihn schon längst geholt, ich räume erst mal den Esstisch frei, schaue in die Schränke, Nicky sucht noch ein bisschen ihr Plätzchen und hat es dann erst mal irgendwo draußen gefunden während Oliver sich dem Teig und ich mich den roten Zwiebeln für die Pizza Provencale widme: 500 g werden in feine Streifen geschnitten und schmoren dann langsam mit 3-4 Zweigen Thymian, reichlich schwarzem Pfeffer, 1 Prise Salz, 1 EL Zucker und 2 EL Rotweinessig 1 Stunde bei kleiner Hitze in 100 ml Olivenöl und 50 g Butter – erst zugedeckt, nach dem Zusammenfallen dann offen. Dieses Confit kommt nun in ein Sieb.

Derweil hat sich der Pizzastein auf dem Boden des bis zum Anschlag hochgedrehten Ofens richtig mit Hitze vollgesogen. Oliver rollt in seinem Eckchen den Teig aus wie ein echter Italiener, wir verteilen das Zwiebelconfit darauf, darüber wird reichlich Ziegenfrischkäse gekrümelt und fürs Finish haben wir noch Feigensenf vom Käsestand mitgenommen. Und Nicky schiebt die Pizza vom Brett auf den Stein. Inzwischen fällt mir ein, dass ich beim Gedanken an die Provence ein Glas Lavendelblüte mit eingepackt habe, von denen ich jetzt 1/2 Teelöffel mit je 4 EL Zwiebelöl und Honig verrühre.

Kein zehn Minuten später ruft die Pizza aus dem Ofen: “Ihr seid ein gutes Team, ihr drei und der Stein.” Tatsächlich habe ich zu Hause noch nie so eine knusprige und schöngewölbte Pizza genossen. Und ich kenne den Teig – er ist von Sabine Sälzer, die ihn in “Die echte italienische Küche” von GU aufgeschrieben hat und die jetzt gerade an der Tür klingelt, weil sie auf dem Weg vom Verlag nach Hause sowieso immer unten vorbeikommt. Und Harry, Illustrator und der Wirt vom cup-o-coffee im Haus steht auch schon mit einem Arm voll Bionade und Becks Bier im Arm in der Tür. Und Oliver sagt gerade seinen Nachmittagstermin ab und setzt einen neuen Teig an. Zeit also, die erste Pizza auf den Tisch zu bringen, mit dem Lavendelhonigöl zu beträufeln und die nächste zu starten.

Ich sag’s gleich: So richtig aufgepasst habe ich dabei nicht. Die Hermann-Pizza ist mit einer Paste aus gekochten Kartoffeln von Nicky statt Sugo bestrichen, darauf kommen Orangenstücke und Schinken, was am Ende eine sehr feine und schöne Sache ist – würzig und erfrischend zugleich.

Für Mälzers Entenhack zerkleinert Oliver eine Entenbrust, die Nicky mit Chili und Thymian brät, das kommt dann auf die Pizza, fehlt eigentlich noch Birne und Gorgonzola. Ist aber nicht da, weswegen wir nach dem Backen bloß viel Parmesan drüberstreuen. Schmeckt. Gibt’s ja nicht.

Am Ende verrühre ich den restlichen Ziegenkäse mit etwas Schmand und gehacktem Bärlauch, streiche es dünn auf die Pizza, lege dünne Scheiben von grünen Tomaten drauf, träufle mein Zwiebelöl drüber und schaffe es so am Ende doch noch, den Pizzastein einzusauen. Auch diese Pizza ist fein, wobei der etwas flüssige Belag den Boden im Zentrum eher zäh als knusprig macht.

Das Finish gehört Jamie Oliver und delcious:days. Oliver (von d:d) zerlegt fachmännisch eine von Nicky besorgte hocharomatische Ananas, dann wird nach Jamie-Art Zucker mit Minzblättern zu einer grünen Droge verarbeitet, die samt einem ordentlichen Löffel fettem griechischen Joghurt (Nickys Idee) über die Ananas kommt – delicious, guys! Sabine musste schon gehen, Harry stellt uns noch einen Kaffee auf, bevor er wieder runter muss, und ich schaue zum ersten Mal seit langem wieder auf die Uhr. Es ist sechs. Fünf Stunden Mittagessen also. Toll. Das nächste Mal bei mir, ok? Bis dahin: schönes Wochenende. Und ab Montag: Das Steinstraßen-Special, parallel zur Serie “Unsere Straße” auf Pro7, die nächste Woche gleich ums Eck in der Steinstraße spielt. Von Montag bis Freitag um 14.30 im Fernsehen, jeden Mittag hier bei Rettet das Mittagessen.



13 Kommentare zu “Die Prima-Promi-Pizza-Party”

  1. Ulrike

    Hallo,

    esse Pizza fast nur noch wenn selbst gemacht! Klassisch mit Zwiebeln, gekochtem Schinken, Champignon und Käse sowie Knoblauch. Zur Würzung nehme ich auch gerne schwarzen türk. Kümmel. Der Teig wird schön knusprig, wenn man erst am Schluß ca. 1 Esslöffel Olivenöl dazu gibt, dann hat sich Mehl und Wasser bereits gut vermischt.
    Gruß Ulrike
    die sich gerade vom Viktualienmarkt Inspiration fürs Wochenende geholt hat :-)

  2. Manu

    Klingt nach ner Menge Spass! Und die Pizzen sehen wirklich nicht übel aus…

  3. Ralph

    Die Pizzen klingen ja lecker ( sa bin ich immer fuer neue Ideen dankbar ! ), und Sabine Saelzer wuerde ich auch gerne mal kennen lernen. Darum beneide ich Dich. Aber fuer eine Entenbrust koennte ich mir bessere Sachen vorstellen, als sie kleingehackt auf Pizza zu essen ;-) )

  4. SEBASTIAN

    Nach einem Wochenende voller Wurst und Wein sowie Regen und Sonne in Münster zurück zur Pizza. Schwarzer türkischer Kümmel, das klingt nun nicht so klassisch, Ulrike, aber ziemlich gut, ich werde es ausprobieren – Du meinst diesen schwarzen Kreuzkümmel, den es auch bei guten Indern gibt und beim Perser glaube ich auch? Ganz oder gemahlen?
    Ansonsten stehe ich bei Pizza sehr aufs Original mit nicht viel mehr als Mozzarella, und gegen Ende darf da auch noch schick Rucola und Parma drüber, wenn beides gut ist. Gleiches (“gut”) gilt für Deinen (deutschen?) Klassikerbelag – im Laufe der kommenden Woche werden wir hier noch einen Fall kennenlernen, der das am Gegenteil beweist. (War kein Spaß, Manu.) Generell finde ich beim Belag neben “gut” noch “wenig & würzig” wichtig, also alles in Richtung PizzaHut nichtig – dann darf es sogar Entenbrust sein, Ralph. Wobei im Mälzer-Rezept Entenkeule verlangt war, die billiger und für Hack wohl noch besser, aber auch seltener ist. Hier der Link direkt zum Rezept, das zwar im Titel von Entenwurst spricht, aber dann wird alles gut:
    http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,3912866,00.html ).
    Und ich werde es Sabine ausrichten – dass Du mich beneidest.

  5. Petra

    Ich denke, Ulrike meint Schwarzkümmel, “Nigella”, findet man oft auf türkischem Fladenbrot. Viele Infos dazu gibt’s auf den genialen Seiten von Gernot Katzer: http://www.uni-graz.at/~katzer/germ/Nige_sat.html

  6. SEBASTIAN

    Ich möchte Ulrike nicht vorgreifen, hegte aber die Hoffnung, dass sie vielleicht doch Kreuzkümmel meinte, was ich interessanter fände als das Schwarze vom Fladenbrot. Doch wer weiß, womöglich ist es auf der Pizza richtig toll (und es liegt eigentlich auch näher). Oder ist es vielleicht sogar wirklich “schwarzer Kreuzkümmel”, den ich nach Ulrike Tipp bei auf Gernot Kratzers Gewürzseite unter http://www.uni-graz.at/~katzer/germ/Buni_per.html entdeckte – auch meine Instanz für alles, was ich über Kräuter und Gewürze wissen will (Tipp: Das für den Alltag wichtige steht immer am Ende). Das ruft eigentlich nach einem „Kümmel-Pizza-Test”, oder? Eine gute Quelle für wirklich frische Gewürze und interessante Mischungen ist übrigens
    http://www.1001gewuerze.de/, der Online-Laden einer weitgereisten Kollegin, die unter anderem das sehr gut Buch „Workshop Würzen” geschrieben hat:
    http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3774261970/qid=1144055568/sr=1-2/ref=sr_1_26_2/303-8024192-78274

  7. ulrike

    Hallo,

    ich meinte wirlich den Schwarzkümmel den man auf türk. Fladenbrot findet! Dies als Variante zum Klassiker. Mit Mozarella habe ich immer die Erfahrung gemacht, dass da zuviel Wasser drin ist und der Boden schnell durchweicht, wenn, dann aber nur ganz wenig Mozarella.
    Sebastian, mit Krezukümmel werde ich es auch mal ausprobieren, meiner ist aber eher braun als schwarz !?
    Gruß Ulrike

  8. » Blog Archive » STEINSTRASSE: Streetbrot

    [...] :days ist. „Probier mal die Bauernkruste!” hatten sie mir am Freitag zuvor bei unserer Prima-Promi-Pizza-Party zugeraunt. Also gehe ich am Montag rein in die Backstube, wo etwa drei b [...]

  9. » Blog Archive » Wie leg’ ich mein Ei?

    [...] r. Um die kleine Kunst des Mittagessens zu fördern? Sehr warm. Um Leute kennen zu lernen? Heiß. Damit mich die Leute kennen lernen? Auch heiß. Damit mich meine Leute neu kennen lernen? [...]

  10. rettet das mittagessen » Blog Archive » Kalte Küche

    [...] r Vernetzung ist – hier der Bericht einer verschwitzt guten Pastaparty (als Nachfolger der Pizzaparty) in der Küche von delicious:days am Freitag vor einer Woche und als Zugabe noch zwei [...]

  11. rettet das mittagessen » Blog Archive » AUS DER KAFFEEKÜCHE: Stockabendbrot

    [...] tta an einem Tag fast wie heute. Auch gut. Und ich habe mal in einem Kochblog mitgebacken: Pizza bei delicious days 12) Wer kocht bei Euch häufiger? Die Gattin (ich nur am Wochenende) [...]

  12. rettet das mittagessen » Blog Archive » Die 5-Stunden-Pizza

    [...] : Alles eingekauft 13.52 Uhr: Alles bereit 14.08 Uhr: Das Confit angesetzt (das Rezept steht hier) 14.15 Uhr: Ein kleiner Imbiss (gebratene Topinamburscheiben) 14.21 Uhr: Sagt mal [...]

  13. rettet das mittagessen » Blog Archive » Pizza to run

    [...] ?? …denn? Es ist gerade mal ein knappes Jahr, als wir hier die Prima-Promi-Pizza-Party feierten und ich vom Backen auf dem Stein so beeindruckt war und Freunde [...]

Kommentar hinterlassen