Bei den Herdeflüsterern
Weiße Trinkschokolade mit grünem Macha-Tee. Luftgetrocknete Salsiccia aus der Lombardei und 2 Jahre gereiften Grana-Käse. Schokoladentrüffel mit rosa Pfeffer. Je ein Glas Schilcher, Gelber Muskateller, Morillon (steirischer Chardonnay), Weissburgunder, Weißburgunder „Junker” (steirischer Jungwein) und Sauvignon blanc. Ein Brot mit Kochschinken und Kren und ein Brot mit Powidl (Pflaumenmus) und Schafskäse. Offene Ravioli mit Lauch, Lachs und Orangen-Ingwer-Butter mit rosa Pfeffer. Ein Crostini mit Tandoori-Thunfisch. Schokoladenstrudel mit Tonkabohnenschaum. Spekulatiuspraline. Nespresso.
Nein, keine Sorge, das war nicht all das, was ich am Wochenende gegessen habe. Das war nur mein Mittagessen am Freitag. In dieser Reihenfolge.
Fragen? Ok, manches habe ich mir mit manchen geteilt, wenn es denn ging. Denn das meiste war eher in Probiergröße, was vor allem bei den Weinen ein Segen war. Die wurden einem schluckweise ins Glas gegeben, das man sich vorher am Eingang zu den Steirischen Junkerwinzern ausgeliehen hatte, die beim freitags angekündigten Kochgeflüster auf der Praterinsel den halben Keller der früheren Schnapsbrennerei inmitten der Isar einnahmen. Und dahin trieb es bald einen Ur-Mittagesser und mich am Mittag, nachdem wir uns zuvor das Feinkost-Programm in den Räumen darüber und davor angesehen hatten: vieles für die italophilen Feinschmecker Münchens, frisches Futter für die „Kaufen ist das neue Kochen”-Fraktion, einiges für Leute, die etwas mit Messe, Marketing, Events machen, so wie das auch bei den Machern dieses Kochgeflüsters ist.
Richtig klar wurde einem der Name aber erst in der „Stromberg Lounge”, die sich vor der Tür zu den Junkerwinzern fein gemacht hatte. Gegenüber flüsterte Holger „G” Stromberg den Neugierigen ein paar Geheimnisse seiner Küche ein, so wie es später noch Hans „Tantris” Haas oder Hans Jörg „Blauer Bock” Bachmaier tun würden. Und während wir dann in der Lounge naschten, traf ich einen Kochkollegen aus Hamburg und vor allem einen aus Dorfen, mit dem ich vor mehr als 15 Jahren in Frankfurt gekocht habe. War das ein Geflüster!
Bevor es zu privat wird, die Fakten: Das steirsiche Zwetschgenkäsebrot war das Verblüffendste bei diesem Mittagessen und eine gute Einstimmung auf Strombergs süß-pikanten Stil. Auch von ihm war alles gut, wenn auch die Namen manchmal ein wenig zu groß gerieten: Im Schaum zum Schokostrudel suchten wir das tonkahaftige, die Spekulatiuspraline war ein mit Spekulatiusbröseln umhüllter sehr guter Grießknödel. Danach vielleicht einen Kakao? Ich empfehle den von Becks Cocoa vom Münchner Trinkschokoladenmacher Michael Beck, dessen Göttertränke alleine das Geflüster wert waren. Der mit Lavendel macht einen Grinsen, und der mit weißer Schokolade und dem grünen Macha-Tee, den die Japaner sonst nur für die Teezeremonie nehmen, der macht selig. Wer es lebendiger mag: Er hat auch Kakao mit Wasabi. Damit kommt ihr locker durch diesen Winter.

