Berichtsheft Montag, 17. November: Work. Pray. Drink. Wait.

20141117_121135

Veröffentlicht unter die letzten 12 mittagessen | Hinterlasse einen Kommentar

Berichtsheft Wochenende, 14.-16. November: Zusammen

Ein Wochenende wie eine Welle, sich aufbauend, “Platsch”, und langsam verebbend. Freitag war Tatentag: Früh die Grillrezeptliste weg und liegengebliebene Mails, dann Arzt, Drogerie, Gemüsefrau, Zeitungsmann, Bäckerpaar und Blumenfrauen, dabei immer wieder ein Schwätzchen, wir kennen uns, und wenn Du einen Laden hast, spricht man noch mal auf einer anderen Ebene. Es ist wie im Dorf, wo man sich auch immer mal blicken lässt bei den anderen im Geschäft. Die Bücherfrau steht vor ihrem mit dem Handy am Ohr, ihr winke ich nur zu.

+++

pattiescollage

Eine vergane Freundin schreibt, dass sie heute mit einem veganen Koch für den BR kocht, was mich fürs Mittagessen mit den Jungs motiviert: Kartoffel-Bohnen-Plätzchen mit dem Rest des am Vortag gekochten Dal aus geschälten Mungobohnen – für mich sind das ja Linsen, aber im Englischen sind das alles “beans” und so wohl bei uns auch. Dieser Dal ist der milde Star bei unseren Bollywood-Kochkursen, recht komplex, da vieles für sich gegart wird und das auch noch unterschiedlich, aber das Ergebnis ist jedesmal belebend und erhebend; einmal habe ich es auch “easy” probiert, also alles nach und nach in einem Topf – das war für den Napf. Ich glaube, dass in den vielen langweiligen Indern dieses “easy” der Grund fürs Einerlei ist, weiß aber auch, dass das Komplexe wenig für die Restaurantküche taugt. Weiterlesen

Veröffentlicht unter die letzten 12 mittagessen | Hinterlasse einen Kommentar

Berichtsheft Donnerstag, 13. November 2014: Im Umbau

Baggerschaufel

Mein Viertel verändert sich. Alleine von meinem Küchenfenster aus kann ich inzwischen drei Baustellen auf einen Blick sehen, die so pünktlich wie die Kirchenglocken erklingen, wenn es sieben Uhr morgens ist. Bis vor kurzem war es nur die eine auf dem Postgelände beim Bahndamm, die seit Wochen einen Kran sich drehen und Sägen laufen lässt; an diesem Donnerstagmorgen wurde das dritte Gerüst mit viel Gedengel an dem zweiten der Häuser in meiner Straße hochgezogen. Und da ist mehr, überall und immer wieder aufs Neue. Scheiß-Gentrifizierung? Sachte… Gehen wir mal ein Stück.

kirchenschiff

Die Baggerschaufel ganz oben liegt gleich neben diesem Idyll hier vor der Franziskus-Kirche. Hier wurde gerade der Belag der Hans-Mielich-Straße erneuert, wofür sie in eine Richtung für eine paar Tage gesperrt war. Eine Weile konnte man hier durch ein Schaufenster auch dem Café “Konradin” beim Entstehen zu sehen, Regale, Theke, Lampen waren schnell da und schön, dann passierte lange nichts mehr. Nun ist es ein Büro mit sehr großzügiger Kaffeeküche. Der Schlecker weiter unten steht immer noch leer, eigentlich sollte hier der Italiener rein, der kurz mal in dem vormaligen Waschsalon an der Humboldtstraße war (und dessen Besitzer über meinem Studio wohnte), worin jetzt die Bar “Wuid” ist, Gegenstück zum Miss Lilly’s gegenüber, in dem früher das Sozialprojekt Abba war.

laub

Doch zurück: Über den lange umgebauten und mit einem Paukenschlag fertiggestellten Hans-Mielich-Platz geht es unter der Bahnlinie hindurch (die in diesem Jahr durchs ganze Viertel eine Schallschutzwand erhalten hat) in die Idylle zwischen Stadtgärtnerei und dem Griechen Lucullus – das blaue Schild weist den Weg zum nächsten Bau.

verhau2

Am Bahndamm entlang war lange Wildnis und Schrebergärtnerei, jetzt führt eine Schneise zur Postbaustelle (oder ist es die Telekom?), wo wohl ein weiteres Bürogebäude neben dem alten Waschbetonbau hochgezogen wird. Wir aber machen halt davor und…

verhau1

…schwenken nach links in die Obere Weidenstraße, wo eines der alten kleinen Häuschen ganz neu wird – oder ist es schon ein ganz neues Häuschen?

häusl

Vor drei Jahren sorgte ums Eck in der Birkenau der Abriss zweier ehemaliger Kutscherhäuschen für viel Aufmerksamkeit und Ärger im Viertel; wegen zu vieler Umbauten hatten sie den Denkmalschutz verloren. An ihrer Stelle steht nun ein jeden Zentimeter der Baulücke füllender schwarzer Eigentumswohnquader, der wenig für behutsames Sanieren wirbt, aber auch keinen mehr richtig aufregt. Seit dieser Woche räumt ein Kleinbagger im völlig verwilderte Hof eines weiteren (denkmalgeschützten) Kutscherhäuschens auf, was vorsichtig begrüßt wird. Vor Jahren hatte dies eine Freundin der Huberin gekauft, die das HUKODI mitbegründet hat (sie ist das “Hu” im HUKODI, das zuvor die Zentrale der Bayernpartei war, nun ist sie die Straße runter in der Färberei aktiv). Seitdem stand das Haus leer und der Garten verwilderte spektakulär. Geld ausgegangen, Denkmalschutz unterschätzt, Abrissspekulation? Keiner wusste nix Genaues, aber es war zusehends kein gutes Argument für “Friede den Hütten, Krieg den Paläste”. Wir träumten derweil von einer Landgasthofkommune, Urban Gardening, Grüne-Soße-Plantage. Nun geht’s wohl los. Ich bin gespannt.

ganzgiesing

Und hier der Blick, von dem ich am Anfang sprach – die Glockentürme haben Konkurrenz bekommen. Worüber die Heiligkreuzkirche aber nur schmunzeln kann: Sie ist seit Jahrzehnten eine Großbaustelle, die nun aber endgültig abgeschlossen werden soll. Ebenso wie die etwas kleinere im Schatten des kleinen Türmchens rechts, an der man hier unten auch rege interessiert ist – dort eröffnet demnächst das neue Giesinger Bräu, das bisher direkt unter meinem Küchenfenster in einer ehemaligen Geflügelschlachterei braute. Was dann dort sein wird? Wir sind gespannt.

Veröffentlicht unter die letzten 12 mittagessen | Hinterlasse einen Kommentar

Berichtsheft Mittwoch, 12. Dezember 2014: Vergesstag

Ein Teil des Gehirns ist im Moment fast aus. Es ist der, der weiter und tiefer denkt. Dafür läuft der andere auf Hochtouren, spuckt Ideen aus, entwirft Notfallpläne, gibt den Dingen starke Namen. Ab und zu fährt das Weitertieferteil wieder hoch, so heftig, dass es beim Schlagfertigteil einen Blackout gibt. Dann hab ich wieder was vergessen.

+++

Aufgewacht, 6 Uhr gedacht, da lohnt sich doch das Einschlafen nicht mehr. Also ein bisschen geschrieben, bis der Schlafgast wach wird. Nach 1 1/2 Stunden gemerkt, dass es vorhin 4 war und jetzt halb 6 ist. Wieder ins Bett. Wieder aufgewacht, als der Schlafgast grad ging.

+++

Keine Ahnung, was ich am Vormittag gemacht habe, aber als ich zu Mittag ins Stattauto stieg, hatte ich die Grillrezeptliste noch nicht fertig und eine Kochkursankündigung vergessen. Dafür rechtzeitig gekommen, um ein Krankengespräch zu führen und eine Liste mit guten Drogen zu bekommen, von denen die Apotheke nur eine da hatte.

+++

Gutes Essen gekauft, am Ende kam aber nur die Knöpfle mit Schnittlauch auf den Tisch. Da hatte ich schon lange ein Telefongespräch für den Nachmittag vergessen, an das ich nun wieder erinnert wurde.

+++

Höhepunkt des Tages: Die Katze nascht Chiliblätter. Und hey, sie schmecken wirklich gut.

Veröffentlicht unter die letzten 12 mittagessen | 2 Kommentare

Berichtsheft Dienstag, 11. November: Ideentag

Mit Plänen und Zielen aufgewacht und dann erstmal was anderes gemacht: Geappt, gemailt und gelesen, dabei unter anderem hier lang hängen geblieben (auf Empfehlung der Kaltmamsell) und Ideenpingpong gespielt zu meinem Grillthema, so dass das Grundgerüst eher nebenbei entstand.

Giger

Zugleich die letzten Meter vom letzten Kochbuch nochmal poliert und festgestellt, dass die Idee mit den fotografierten Papierkorrekturen nicht so toll ist wie sie wirkt. Das nächste Mal besser timen und per Post senden.

+

Anfrage zu einem Kochworkshop an einem Outdoor-Gesundheitstag, zu dem mir eine Idee kam, die entweder sehr bescheuert oder sehr gut ist. Der Zu- oder Abschlag wird das zeigen, wobei ich nicht klar sagen kann, was für was stehen soll. Weil ich find’s schon sehr, sehr gut.

+

Wegen einer freiwerdenden Wohnung mit suchender Nachbarkollegin gesprochen und dabei eine Idee gehabt, die gleich ein paar Probleme auf einmal lösen würde, aber natürlich auch neue schaffen wird.

+

Alles bei einem Gang an der Isar weiter ausgearbeitet, bis ich plötzlich in Schlappen und mit einer Flasche Bier in der Hand am Geländer stand. Waren dann nur ein Ginger Beer und Billagongs. Noch eine gute Idee gehabt. Zurück am Schreibtisch das alles “zu Papier” gebracht und weggeschickt.

+

Mit dem Rad quer über die Isar und durch Schleichwege bis zum Stadtmuseum gefegt, und da noch gerade rechtzeitig meinen Platz im Gamelan-Orchester eingenommen. Erstmals ein javanisches Stück einstudiert, das eine amerikanischen Mitmusikerin besorgt hat und das wir unter griechisch-ungarisch-argentinischer Führung langsam einstudierten. Und lange, zu lange. Am Ende bin ich einfach aufgestanden und die anderen dann auch.

+

Kokos-Curry-Chicken-Soup im Ocui, die in der an allen Tischen ausliegenden englischen Speisekarte 30 Cent billiger war als in der deutschen. Wie auch die anderen Suppen sowie Salate, Pizza, Pasta, Noodles, na ja, eigentlich alles. Kellner dankte für den Hinweis und sammelte die betroffenen Karten wieder ein. (Manche hatten gleiche Beträge.) Wir zahlten deutsche Preise und bekamen keinen Kaffee aufs Haus. Keine gute Idee.

Veröffentlicht unter die letzten 12 mittagessen | Hinterlasse einen Kommentar

Berichtsheft Montag, 10. November: 2014: Astrology To Go

power
“You’ve got an endless supply of oomph right now – and it’s a darned good thing. Expect a seriously tough task to come along.”
(Kim Rogers Gallagher in “Your Daily Forecast for Nov 10, 2014″ auf Astrology.com; Fotos: auf dem Weg in Untergiesing)

Veröffentlicht unter die letzten 12 mittagessen | 2 Kommentare