1000 Tode leben

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Das ist ja ein Wetter, dass es der Sau graust und man sich den Tod holt, da schickt man doch keinen Hund vor die Tür. Ich bin trotzdem raus und fands angenehm. Bin durch den Niesel über die Brücke durch ein Panorama, das für Trauerkarten taugt. Hab mich gefreut, dass der Bus genau an die Haltestelle kam, als ich an die Haltestelle kam. Bin drei weiter ausgestiegen und hab was für den Adventskalender in der Klinik abgegeben, in der ich den letzten zwei Wochen die meisten Nächte verbracht und gewacht habe. Diese Nacht nicht, daher der Weg, alles à la minute derzeit. Wollte auf einen Espresso zur Griechin am Eck, hatte aber kein Geld.

Zur Sparkasse und in den Untergrund, um eine Toilette zu suchen, U-Bahn gefunden und eine Station weiter gefahren. Im Glockenbachviertel festgestellt, dass die schicken Cafes noch alle schlafen außer dem guten alten Aroma. Espresso geteilt mit zwei Müttern mit Mädchen, die auf die Kindergartenöffnung warten. Eins malt einen “Beschützungssaurier” und schreibt Mamas Name drauf, “das hast Du aber toll gemacht”, dann geht’s weiter mit den Handybildern vom Ausbau der Eigentumswohnung. Wie im deutschen Fernsehen, das ja dann doch nicht so doof ist? Als die Mädchen das Randalieren anfangen, brechen sie auf und ich mit, im Rausgehen sagt eine Mutter: “Ich hab Deine Flügel eingepackt.”

Den Südfriedhof lasse ich dann mal rechts liegen auf dem Weg zurück und hierher an die Maschine, um über Tode zu schreiben. Tausend, um genau zu sein. “1000 Tode” heißt das eBook, das Christiane Frohmann gestern in ihrem Verlag herausgegeben hat. So sieht’s aus und soll’s sein: Weiterlesen

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Fünf, sechs Tode

Der erste gewollt und nicht gekonnt, dann musste es sein.

Der zweite ohne Verzeihung, nicht mal für sich selbst. Verflixt und zugenäht.

Der dritte fern und plötzlich, tief und schmerzlich.
What’s app? He passed away. Und alles wurde anders.

Der vierte im Nachsatz, ein Geheimnis, das ich vielleicht gar nicht lösen will.

Der fünfte ein Vorbild. Am schnellsten vergessen.

Den letzten haben wir nicht mal mit dem Arsch angeschaut, weggelacht, weggeliebt, und dann ist er nach nebenan, wo es stiller war.

Was sind schon fünf, sechs, tausend Tode in einem Leben? Jeder viel zu viel.
Jeder ein Brecher, der dein Schiff führerlos macht und deinen Fluss des Lebens zur Strömung im offenen Meer.

Jeder macht die Decke deines Hauses rissiger, damit das Durchstoßen nicht so weh tut.
Jeder ist noch eine Stufe in den Keller, damit der eigene Fall nicht so tief wird.
Läuft’s gut, leg ich mich dann nur noch hin. Und wer hat schon Angst vorm Liegen?

Geschrieben für “1000 Tode” herausgegeben von Christiane Frohmann. Mehr dazu hier.

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Berichtsheft 21.-23. November: Verdrängung leicht gemacht

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“Du bist ein Meister im Verdrängen” sowie “Du machst es Dir ja leicht” sind Komplimente, die ich gerne höre. Beide Talente haben mich von Kind an gut und sicher durchs Leben gebracht – ein Leben, das nicht immer nur lustig war, schon gar nicht in den letzten Jahren. Hättet Ihr jetzt nicht gedacht, liebe Basic-Cooking-Leser? Tja, ich bin eben ein Meister im Verdrängen. Und find immer einen Dreh, was Schweres leicht zu machen – wie in meinen Büchern.

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“Ich glaube fest daran, dass ein Tag nicht so schlecht sein kann, wenn ich an ihm Zeit für einen Kaffee habe.”

Es ist Sonntagabend und ich sitze im Krankenhaus ganz nahe bei jemandem sehr Nahen. Gerade herrscht Ruhe und Frieden nach einer heftigen Woche und vor einer wohl noch heftigeren. Dazwischen habe ich mich an diesem Wochenende auf eine Insel geflüchtet – ins vertraute Paradies meiner Wohnung, wo ich seit Tagen wieder eine Nacht schlief, und ins absolute Abentuerland gleich ums Eck davon, wohin wir am Freitagabend aufbrachen. Weiterlesen

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Berichtsheft Kalenderwoche 47: Coffee cares for you

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Da ich das Draußen in dieser Woche vor allem von drinnen gesehen habe und das Drinnen nix fürs Draußen ist, hier ein paar Kaffeeperspektiven auf das Ganze – definitiv die ruhigsten Momente dieser Woche.

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Berichtsheft Montag, 17. November: Work. Pray. Drink. Wait.

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Berichtsheft Wochenende, 14.-16. November: Zusammen

Ein Wochenende wie eine Welle, sich aufbauend, “Platsch”, und langsam verebbend. Freitag war Tatentag: Früh die Grillrezeptliste weg und liegengebliebene Mails, dann Arzt, Drogerie, Gemüsefrau, Zeitungsmann, Bäckerpaar und Blumenfrauen, dabei immer wieder ein Schwätzchen, wir kennen uns, und wenn Du einen Laden hast, spricht man noch mal auf einer anderen Ebene. Es ist wie im Dorf, wo man sich auch immer mal blicken lässt bei den anderen im Geschäft. Die Bücherfrau steht vor ihrem mit dem Handy am Ohr, ihr winke ich nur zu.

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Eine vergane Freundin schreibt, dass sie heute mit einem veganen Koch für den BR kocht, was mich fürs Mittagessen mit den Jungs motiviert: Kartoffel-Bohnen-Plätzchen mit dem Rest des am Vortag gekochten Dal aus geschälten Mungobohnen – für mich sind das ja Linsen, aber im Englischen sind das alles “beans” und so wohl bei uns auch. Dieser Dal ist der milde Star bei unseren Bollywood-Kochkursen, recht komplex, da vieles für sich gegart wird und das auch noch unterschiedlich, aber das Ergebnis ist jedesmal belebend und erhebend; einmal habe ich es auch “easy” probiert, also alles nach und nach in einem Topf – das war für den Napf. Ich glaube, dass in den vielen langweiligen Indern dieses “easy” der Grund fürs Einerlei ist, weiß aber auch, dass das Komplexe wenig für die Restaurantküche taugt. Weiterlesen

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