Berichtsheft Dienstag, 11. November: Ideentag

Mit Plänen und Zielen aufgewacht und dann erstmal was anderes gemacht: Geappt, gemailt und gelesen, dabei unter anderem hier lang hängen geblieben (auf Empfehlung der Kaltmamsell) und Ideenpingpong gespielt zu meinem Grillthema, so dass das Grundgerüst eher nebenbei entstand.

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Zugleich die letzten Meter vom letzten Kochbuch nochmal poliert und festgestellt, dass die Idee mit den fotografierten Papierkorrekturen nicht so toll ist wie sie wirkt. Das nächste Mal besser timen und per Post senden.

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Anfrage zu einem Kochworkshop an einem Outdoor-Gesundheitstag, zu dem mir eine Idee kam, die entweder sehr bescheuert oder sehr gut ist. Der Zu- oder Abschlag wird das zeigen, wobei ich nicht klar sagen kann, was für was stehen soll. Weil ich find’s schon sehr, sehr gut.

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Wegen einer freiwerdenden Wohnung mit suchender Nachbarkollegin gesprochen und dabei eine Idee gehabt, die gleich ein paar Probleme auf einmal lösen würde, aber natürlich auch neue schaffen wird.

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Alles bei einem Gang an der Isar weiter ausgearbeitet, bis ich plötzlich in Schlappen und mit einer Flasche Bier in der Hand am Geländer stand. Waren dann nur ein Ginger Beer und Billagongs. Noch eine gute Idee gehabt. Zurück am Schreibtisch das alles “zu Papier” gebracht und weggeschickt.

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Mit dem Rad quer über die Isar und durch Schleichwege bis zum Stadtmuseum gefegt, und da noch gerade rechtzeitig meinen Platz im Gamelan-Orchester eingenommen. Erstmals ein javanisches Stück einstudiert, das eine amerikanischen Mitmusikerin besorgt hat und das wir unter griechisch-ungarisch-argentinischer Führung langsam einstudierten. Und lange, zu lange. Am Ende bin ich einfach aufgestanden und die anderen dann auch.

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Kokos-Curry-Chicken-Soup im Ocui, die in der an allen Tischen ausliegenden englischen Speisekarte 30 Cent billiger war als in der deutschen. Wie auch die anderen Suppen sowie Salate, Pizza, Pasta, Noodles, na ja, eigentlich alles. Kellner dankte für den Hinweis und sammelte die betroffenen Karten wieder ein. (Manche hatten gleiche Beträge.) Wir zahlten deutsche Preise und bekamen keinen Kaffee aufs Haus. Keine gute Idee.

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Berichtsheft Montag, 10. November: 2014: Astrology To Go

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“You’ve got an endless supply of oomph right now – and it’s a darned good thing. Expect a seriously tough task to come along.”
(Kim Rogers Gallagher in “Your Daily Forecast for Nov 10, 2014″ auf Astrology.com; Fotos: auf dem Weg in Untergiesing)

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Berichtsheft, Wochenende 7.-9. November: Alles Gute

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Freitagmorgen Besprechung zu einem neuen Projekt, das mich das Adventgrillen kennenlernen lassen wird. Nein, ich mach’ keinen Christkindlwürstlstand.

Mittags mit dem Ältesten zum Gemüseladen, um für die Grand Aioli am Samstagmittag einzukaufen. Zuvor bereits geholt hatte ich Kabeljaurückenfilets im Frischeparadies, um dort nicht in den Strudel der Wochenendfeinschmeckmänner zu geraten, die hier spätestens freitagmittags mit ihren Gspusis und Spezln, manchmal auch Söhnen, seltener Ehefrauen kulinarische Räder schlagen, dass grad kein Durchkommen mehr ist. Da genieße ich doch lieber passiv die Privatvorstellung der Wagners, bei denen Obst&Gemüse die Stars sind und die Kunden Gäste. Der Älteste schweigt und genießt dazu. Auf dem Rückweg noch ein Abstecher zur Metzgersfrau zum Brotzeitholen, auch hier ein kleines Schauspiel – Essen ist einfach eine Show in München.

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Am Nachmittag Räumen, Schälen, Buchhaltung und dann eine Nachricht, die alles bremst und schließlich zum Stillstand bringt. Das Wichtigste wird besprochen, dann geht jeder seine Wege. Ich ins Gärtnerplatzviertel, Geburtstagsgeschenke kaufen und auf ein Feierabendbrot ins Vogler, während die Band sich aufbaut. Als der Sound gecheckt ist und die Gäste kommen, gehe ich – Party ist erst morgen, jetzt muss noch gekocht und geräumt werden.

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Samstagfrüh versprechen die Schlafzimmerschatten, dass es heute Sonne gibt. “Jetzt oder nie”, sag ich mir und lauf ungewaschen und -gekämmt zur Isar, eigentlich war nur ein Espresso am Kiosk der Plan, doch dann wird’s ein Frühstück drüben auf der Terrasse des Zoozie’s, deren äußerstes Eck gerade von der Sonne übernommen wird. Weiter hinten kräht und wiehert eine Blonde ins Handy, sonst ist hier niemand. Später kommt die Wieherkrähe mit einem zerknautschten Boy an den Nebentisch, sie haben beide die Nacht durchgemacht, sie in diversen Münchner Bars, er im Operationssaal einer Münchner Klinik. Und dies ist ihr Date. Und worüber sie aneinander vorbeireden, ohne sie aus den Augen zu verlieren, ist noch unglaublicher. Es gibt Tage, an denen man das hassen könnte. Heute ist ganz klar keiner davon.

Daheim lass ich Badewasser ein, der Älteste kommt, und bis wir mit Tischeaufstellen und -decken, Töpfefüllen und Knoblauchschälen beginnen, ist es noch 1 Stunde bis die ersten der knapp 30 Gäste kommen.

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Wie immer geht alles irgendwie seinen Gang statt bloß seinen Lauf zu nehmen, und so gehen fünf Stunden vorüber, in denen Freunden, Familie, Kollegen, Nachbarn und Musikanten in der stets beweglichen Mischung aus Alt und Neu wie Jung und Alt sich immer wieder neu mischen bei Kürbis-Grünkohl-Paté auf Pane Vallemaggia, Le Grand Aioli und mitgebrachten Süßklassikern aus Italien, Frankreich und Deutschland. In der Mitte schaffe ich es dann auch, mich dazu zu setzen.

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Gegen sechs bringen wir die letzen Gäste zum Stehen und lassen alles liegen, auf dem Gehsteig noch ein Kindergeburtstagschor, dann geht es nach Obengiesing zum Indonesischen Kulturabend. Die Liebe hat mich 2012 zu und 2013 nach Indonesien gebracht, inzwischen bin ich einfach nur in das Land und seine Leute wie Freunde verliebt, einige sind auch meine Freunde geworden. Und stelle fest, dass meine Expat-Allergie inzwischen abgeklungen ist – denn würde ich sonst 3 Stunden auf Treppenstufen in einem Gemeindesaal sitzen (es gab am Abend nur noch Stehplätze), um mir Volkstänze, Kinderballett und Modenschauen anzusehen, ohne mich 1 Minute zu langweilen?

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Nun gut, die Menschen auf der Bühne und ihre Trachten waren wunderschön, die Darbietungen voller Herz und zum großen Teil virtuos, die Freude an allem und von allen extrem ansteckend, . Und ja, dass ich ein wenig dabei zusah, als man Pendekar Puti Kaisar-Mihara aus Wien hierher verpflichtete, hat mich nicht ganz neutral gemacht. Anyway, ich hab’s einfach als herrliche Geburtstagsparty genossen, die mit den letzten Vorhang noch lange nicht zu Ende war.

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Und so lief der erste Sonntag vom Morgenkaffee übers spontane Familienfrühstück (passive Teilnahme) bis zum spontanen Familiennachmittagskaffee (aktive Teilnahme) völlig anders als vor Monaten, Wochen und eigentlich auch am Vortag gedacht. Alles Gute, auch wenn nicht alles gut ist.

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Berichtsheft Donnerstag, 6. November: Regen von draußen

Aufwachen mit Regengeräuschen, nasse Reifen auf Asphalt. Bevor ich aus dem Fenster sehen kann, sehe ich Schneebilder aus dem Münchner Süden am Handy. Hier nur grau und nass von allen Seiten. Unterm himmelblauen Schirm ohne Frühstück zur Blutabnahme beim Hausarzt mit der wohl elegantesten Arzthelferin Giesings. Wir sprechen über selbstgestrickten Socken, Abneigung beim Essen und Zuneigung zu Buttercremetorte sowie dem Hang zu harten Früchten.

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Frühstück im Postcafe, vor dem die türkische Inhaberin auf einem Stapel Zeitschriften im Regen kauert und eine raucht. “Haben Sie was für die Post oder wollen sie was vom Bäcker?” ist die Eingangsfrage, bevor man dann entweder rechts an den Schalter oder nach links an die Theke schwenkt. Ich nehme Espresso, türkischen Tee und eine Vanillehörnchen.

Auf dem Tisch liegt die Bild, auf der Fußballer Ribery zu Allah betet und Schauspieler Malkovich zum Verlierer des Tages erklärt wird, weil er keine Selfies mit Fans macht: “Warum soll ich mich mit einer Person fotografieren lassen, der ich nie zuvor begegnet bin?” Die Besitzerin eines veganen Hotels erzählt, dass sie alle Lampenschirme aus Rinderhaut weggeworfen hat und die Besitzerin einer Schlangenshow wird angeklagt, weil sie sich von einem Azubi acht Hasen “für eine Schulprojekt” geliehen hat, tatsächlich aber an ihre Viecher verfütterte. Bild meint: “Diese falsche Schlange!”

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Ich habe eine Liste der neuen michelin-besternten Lokale in meiner Inbox. Mein Freund Uli in Berchtesgaden hat wieder einen, wie jedes Jahr und auch in den Jahren zuvor, als er noch in Hamburg kochte. Ich bewundere seine Kontinuität genauso wie seine Kreativität und schreibe ihm Glückwünsche. Beim Rausgehen treffe ich das alte Paar von gegenüber, die händchenhaltend zum Italiener zu Mittag gehen. “Mei, wenn Du halt einen Mittagstisch hättest”, sagen sie. “Dann müsst ich jetzt arbeiten”, sag ich. Otto Koch hört jetzt damit auf, hat die Bild auch noch gesagt.

Als ich vor 25 Jahren nach München kam, kochte Otto Koch in seinem Schwarzwälder beim Bayerischen Hof (heute ist da u.a. das Tobacco drin), wo die Chefs des kleinen Kochbuchverlags, bei dem ich zu arbeiten begann, regelmäßig zum Mittagessen hingingen. Er häufte Ruhm und Schulden an, wechselte zum Robinson Club, um sich davon zu erholen und eröffnete vor ein paar Jahren überraschend im Fernsehturm ein Restaurant, das einen Michelin-Stern erhielt. Ein herzlicher, beeindruckender und leidenschaftlicher Mann, den sicher manche gefragt haben, warum er sich das noch mal antut. Jetzt ist er 65 und “ausgebrannt, ich will sehen wie das Leben mit 66 jahren neu anfängt.”

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Espresso im Nuovo Caffè Greco am Goetheplatz, in dem eine Griechin hinter einer Winztheke bayerisch gerösteten Kaffee von Dinzler aufbrüht und es sehr italienisch zugeht; dauernd kommen und gehen Leute, oft die Taxifahrer von gegenüber, die schnell einen Schluck zwischen zwei Fuhren nehmen wollen. Wir reden über Schnee und Streik, und weiter.

Besuch gegenüber in der Haunerschen Kinderklinik, Warten auf ein Gespräch, während dem plötzlich Klavier und Saxophon (macht mich gerne sentimental) ertönen – im Foyer geben zwei Musiker von “Yehudi Menuhin Live Music Now” ein Konzert. Sad Comfort Counter Lunch bei McD – Fritten und Erdbeershake wie vor 40 Jahren. Regressive Galore!

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Zurück im Studio, wo die Gemüsekisten des Kartoffelkombinats bereits in Reih und Glied, die ich hier im Viertel für die Mitglieder ausgebe. Inzwischen sind es 18 Leute, die jeden Donnerstag zwischen 17 und 20 Uhr ihren Ernteanteil abholen. Diesmal drin: Grünkohl, Endivie, Möhren, Navetten, Kerbel, Rondini, Äpfel und ein Beutel Sauerkraut. Ich gehe kurz für einen Kaffee in Ruhe nach oben, dann Büroarbeit, während die Leute ihre Kisten holen bzw. umfüllen, sich ausstreichen, den wöchentlichen Infozettel einpacken und freundlich grüßend wieder gehen.

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Sonst ratsche ich mehr, helfe auch mal, aber heute muss ich mich eilen und schon kurz vor halb acht den Berg hinaufradeln, da wir am Abend Leserunde oben in Giesing haben. Zu siebt treffen wir uns, um über das beim letzten Mal ausgesuchte Buch zu reden, “Von Zuhause wird nichts erzählt” von Laura Waco. Sie erzählt von ihrem Aufwachsen in einer jüdischen Familie in München in den 50er Jahren, die aktiv am Wirtschaftswunder teilhat.

Coming of Age, jüdische Rituale, Misshandlungen in der Familie und Milieuschilderungen stehen kommentarlos in der aus Kindersicht erzählten Handlung nebeneinander, die durch diese Beiläufigkeit immer mehr Wucht annimmt. Eine Mitleserin beschreibt das als “Showing, not telling”, wogegen ich aus einem Missverständnis widerspreche – für mich ist “showing” wertend, “telling” einfach nur berichtend. Als sie sagt, dass “telling” die Dinge genau benennen will und dem mit dem Zeigefinger Ausdruck gibt. Aber “zeigen” ist doch “to show”? Ich glaube, da muss die englische Literaturwissenschaft noch mal ran.

Zum Essen gab es einen Kartoffelauflauf mit Ei, zu dem wir die Gastgeberin nach Selbstbelobigung verdonnert hatten, woraufhin sie bis zum Servieren darauf bestand, dass ihr der eh nicht gelingt. Wir fanden ihn sehr gelungen. Beim Zurückradeln muss ich lachen – am Traumsonntag war ich kaum draußen, an diesem Regendonnerstag dauernd.

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Berichtsheft Mittwoch, 5. November 2014: Reden und Hören

Nach dem Morgenkaffee das Räumen im Studio angefangen, weil das Putzpaar kommt und von der Freitagsveranstaltung und dem Rumsandeln der letzten Tage immer noch einiges herumsteht. Zugleich hatten die Künstler den ganzen Herdblock samt Umgebung für ihre Geräte leer geräumt, so dass der Raum jungfräulich wie nie wirkte – bereit zur nächsten Verwandlung.

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Mich vorm Putzen in die Künstlergarderoben zurückgezogen und meinem Bruder gemailt, ob wir telefonieren können. Er lebt in Sydney, sie haben schon lange kein Festnetz mehr und ihn einfach auf dem Handy anzurufen ist auch heute noch zu teuer. Also Skypen, was aber bedeutet, dass er am Computer sein und ich die zehn Stunden Zeitunterschied berücksichtigen muss. Als er sich bei mir gegen elf meldet, sind alle drei Nichten schon in ihren Zimmern (wo ich sie nur über Facebook erreichen könnte, wenn ich es hätte) und er liegt mit einem Bier auf seinem Sofa, ich mit Tee auf meinem.

Vor einem Jahr hätten wir beide auf seinem Sofa gesessen, denn da war ich bei ihm, um meinen 50. Geburtstag zu feiern. Das fällt mir ein, als er mir erzählt, dass er am Tag zuvor beim Melbourne Cup gewonnen hat, DEM jährlichen Ereignis in Australien und damit natürlich ein Sportereignis – ein Pferderennen mit dem zweithöchsten Preisgeld der Welt (4,3 Millionen Euro) und einem Vielfachen davon an Wettumsätzen. Trotzdem im Rest der Welt eher unbekannt. Vielleicht habt Ihr diesmal aber etwas davon mitbekommen, denn:

Der Sprecher auf dem Podium der Rennbahn in Melbourne konnte es offenbar kaum fassen. „Ein deutsches Pferd hat den Melbourne Cup gestohlen!“, brüllte er in sein Mikrofon. Auch die rund 100.000 Zuschauer konnten kaum glauben, dass in der 154-jährigen Geschichte des Melbourne Cups erstmals ein Pferd aus Deutschland gewonnen hatte.

Und erst das fünfte nicht-australische überhaupt. Hier die ganze Geschichte aus dem Tagesspiegel – geschrieben von meinem Bruder, der einst als dpa-Korrespondent nach Australien ging und jetzt nebenbei noch für ein paar Medien von dort berichtet. Falls die Überschrift auch von ihm ist, müssen wir aber noch mal reden. Bilder vom letzten Jahr, als wir in Sydney auf der Rennbahn zum Public Viewing waren:

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Nach der 29. Zusage zum Mittagessen am Samstag beschlossen, den Pranzo di Pasta in eine Grand Aioli zu ändern und Einkaufszettel geschrieben, u.a. mit 30 Knoblauchzehen, 40 Eiern und “25 Hände voll Wildsalat und -kräuter”

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Gegen Mittag aus übrigem Kartoffelkombinatgemüse und Resten von der Kitchensoundperformancesuppe einen Eintopf gekocht, ins Stattauto gepackt und nach Fürstenfeldbruck gefahren, Kranken- und Familienbesuch. Gegessen, Kaffee getrunken und “Wer bin ich?” gespielt (das Wikipedia immer noch mit Zettel und Klebe- oder gar Stirnband spielt statt mit PostIts – wegen der Schleichwerbung?). Ich war Franz Beckenbauer und… vergessen.

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Auf der Rückfahrt Bayern2 gehört und gelernt, dass Asylsuchende, die bei uns zu einer Religion konvertieren, die in ihrer Heimat geächtet wird, einen Nachasylgrund liefern. Weswegen z.B. eine irakische Muslima ihren Übertritt zum Christentum vor dem Verwaltungsgericht begründen musste weswegen die Kirchen hier solche Übertrittswünsche besonders prüfen – trotzdem werden sie oft rechtlich nicht anerkannt, die Muslima geht jetzt vors Verfassungsgericht. Auf der Suche nach einem Link dazu bei Bayern2 auf die CD “Die Drei Damen” gestoßen, bei der die ums Eck wohnenden Lisa Wahlandt mit dabei ist. Vielleicht die Chance, sie zu einem Konzert ins HUKODI zu holen? Aber wir haben immer noch kein Klavier.

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Zuhause zum Abendbrot die werktägliche Interviewsendung “Mensch Otto” auf Bayern3 gehört, bei der man mit Thorsten Otto oft Faszinierendes erfährt von oft Unbekannten, die Außergewöhnliches erlebt bis gelebt haben (und meistens gerade ein Buch darüber geschrieben haben). Manchmal sind es aber auch Bekannte, von denen man Unbekanntes erfährt oder denen man einfach gerne zuhört. Nicht so bei Roland Kaiser. Eher ein Abfragen, im weiteren Verlauf sogar noch eher ein Abhaken. Er liefert mit sonorer Stimme wohldosiertes Material, die ein Leben mit Brüchen… Auftritte müssen gelingen, nicht perfekt sein… die singen bei Liedern mit, da waren sie noch garnicht geboren, als sie geschrieben wurden… ich habe Glück gehabt, ich bin dankbar…

Otto kriegt den Kaiser nicht zu fassen, der sich offenbar schon selbst so professionell in Frage gestellt hat, dass er hier nichts antworten kann, was nicht zu erwarten war. Otto schaltet auf Autopilot, ich schalte ab.

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Abends der Wunsch nach Rückzug und die Frage: “Geht’s Dir nicht gut?” Doch, weil ich seit langem wieder merke und erklären kann, wie es mir geht. Was gut ist – grad wenn es mir schlecht geht.

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Berichtsheft Dienstag, 4. November 2014: Letztes Licht genutzt

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Das erste Mail, das ich am Tag in meiner Inbox lese, ist mein Horoskop. Es kommt nachts aus den USA, ist also morgens um zwischen neun und zehn eigentlich schon fast erledigt, was das Arbeitsleben betrifft. Aber so genau scheinen es die Astrologen nicht zu nehmen, würden sie mir sonst an manchen Wochenenden raten, dass ich Gehaltsverhandlungen lieber verschieben soll? Aber was soll’s, “you cross pride and confidence with a megadose of charm and magnetism” ist eine Losung, die mich auch beflügelt, wenn sie für den Feierabend gilt, und sei es in den USA, und sei das auch alles nur erfunden. It’s the american way of smile.

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Eine Kollegin, die mir nahe ist, ruft an und erzählt auf “Wie geht’s?” nichts Gutes, ich muss für einen Moment das Telefon vom Ohr nehmen, weil das in der Summe wirklich verdammt hoch ist, was in ihrer Familie passiert. Zuhören und Bedauern; Mut machen passt da noch wenig. Sie sucht jemand Gutes für eine gute Buchidee, ich schreibe ein Mail und bekomme rasche eine gute Antwort, die ich ihr gleich weiterleite. Ich hoffe, es hilft und wird.

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Nachdem ich die Korrekturen und Ergänzungen an meinem eigenen Buch komplett weggeschickt habe, trete ich gegen Mittag zum ersten Mal vor die Tür. Die Luft ist wunderbar weich und warm, sofort ist mir klar, dass ich mit etwas zu essen an die Isar gehen werde. Dort sitzen die Leute auf den Steinen und an der Ufertreppe, einer liegt sogar in einer Hängematte zwischen den drei Wiesenbäumen. Mit einem Becher Nudelsalat und einer Flasche Saft lege ich mich am Ufer ins Gras, gabele und schaue einem Erpel beim Rumtollen im Wasser zu. Während das Weibchen im Kehrwasser vor einer kleinen Felseninsel ruhig vor sich hin wartet, lässt sich der Enterich immer wieder von der Strömung ein paar Meter wegtreiben, wirft sich dann regelrecht schnabelüber unter Wasser und taucht sofort wieder auf wie eine Gummiente, um den verrückten Schaufelraddampfer zu geben und wild mit den Flügeln zu kreisen, dass es nur so spritzt. Mehrmals muss ich laut lachen, was die Dame mit Rad ein paar Meter weiter vorsichtig zu mir rüberschauen lässt. Rechts von mir sitzen zwei Männer an der Böschung und reden, daneben eine Frau mit Hund an der langen Leine, die bei seinem Rumlaufen dauert klimpert.

Nach guten fünf Minuten ändert der Erpel die Figur und stößt langsam, aber stetig vor zur Gattin, wobei er immer wieder kurz aus dem Wasser stößt und mit den Flügeln in der Luft schlägt. Sie schwimmt bei seinem Näherkommen schon ein wenig voraus zur Felseninsel, bis sie beide dort anlangen und er auf einen Stein springt und sich nun ausgiebig in der Sonne putzt und trocknet, während sie wieder im Wasser ruht. Hat sie das schon alles erledigt, putzt sie sich einfach nicht so oft oder nur nicht so aufwändig und auffällig wie der Gatte?

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Als ich ein Foto mache, landen gerade zwei weitere Enten spritzend im Fluss, kurz darauf streunt eine Rauhaardackel vorbei, der auf den Ruf “Erna” so gut hört, dass er fast meinen Nudelsalat umrennt auf dem Weg zu Frauchen.

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Im Gehen sehe ich auf dem Handy, dass eine Freundin angerufen hat, wir waren wohl zum Kaffee verarbredet, ich dachte, sie meldet sich vorher noch. Sie ist noch in der Nähe, wir setzen uns für eine halbe Stunde zu Espresso und Apfelkuchen ins Bald Neu, das beides sehr gut macht. Gegenüber zwei Mütter, die ihre Babys Kopf an Kopf zwischen sich auf dem Sofa liegen haben, später stillen sie gemeinsam. Am Eingang hängt eine Schild, dass nur zwei Kinderwägen auf einmal ins Cafe dürfen, draußen stehen noch zwei, ein dritter bzw. fünfter kommt nur kurz herein, der Verstoß wird aber freundlich geduldet. Draußen ist die Sonne völlig verschwunden hinter eine regengrauen Wolkendecke.

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Zurück im Büro mit dem Laptop in die Künstlergarderobe gelegt und eingenickt, viertel nach sechs aufgewacht, gleich beginnt die Orchesterprobe, zu der ich dienstags immer gehe. Ich komme 15 Minuten zu spät und nicht rein in die Musik, zum Glück hören wir früher auf, weil alle nicht recht ziehen. Weil wir auch nicht in die sonst üblichen Lokale gehen wollen, schlage ich das Forum vor, wo wir einen großen freien Tisch bekommen, über dem eine Box laute Discomusik spielt. Ich kenne es seit mehr als 20 Jahren vor allem vom Draueßnsitzen, seitdem hat es mehrer Relaunchs hinter sich, der letzte ist auch mir neu. Der Raum ist weiterhin schön, die Kellnerin freundlich, mein Gegenüber bestellt einen “Starter” und bekommt auf drei Etagen burgerdicke Puffer mit Lachs, Röstgraubrot mit Ziegenkäse und Grissini mit Parmaschinken. Mein Wels in Meerrettich-Nuss-Kruste ist auch fein. Das Bier ambitioniert:

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Das Gespräch in unserer Ecke dreht sich unter anderem um die Veröffentlichung von Forschungsarbeiten im Internet, bevor sie amtlich anerkannt sind, aus denen aber trotzdem zitiert werden darf – “denn das ist die Währung für Wissenschaftler”. Auf dem Herrenklo hängen über den Urinaten Schwarzweißbilder, die vor 60, 70 Jahren als frivol galten, Pinups auf Karrusselpferden. Moulin Rouge? Crazy Horse? Auf der Heimfahrt sehe ich in einem Schaufenster einen Druck: “Life is like photography, we use the negatvies for developing”.

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