Fünf, sechs Tode

Der erste gewollt und nicht gekonnt, dann musste es sein.

Der zweite ohne Verzeihung, nicht mal für sich selbst. Verflixt und zugenäht.

Der dritte fern und plötzlich, tief und schmerzlich.
What’s app? He passed away. Und alles wurde anders.

Der vierte im Nachsatz, ein Geheimnis, das ich vielleicht gar nicht lösen will.

Der fünfte ein Vorbild. Am schnellsten vergessen.

Den letzten haben wir nicht mal mit dem Arsch angeschaut, weggelacht, weggeliebt, und dann ist er nach nebenan, wo es stiller war.

Was sind schon fünf, sechs, tausend Tode in einem Leben? Jeder viel zu viel.
Jeder ein Brecher, der dein Schiff führerlos macht und deinen Fluss des Lebens zur Strömung im offenen Meer.

Jeder macht die Decke deines Hauses rissiger, damit das Durchstoßen nicht so weh tut.
Jeder ist noch eine Stufe in den Keller, damit der eigene Fall nicht so tief wird.
Läuft’s gut, leg ich mich dann nur noch hin. Und wer hat schon Angst vorm Liegen?

Geschrieben für “1000 Tode” herausgegeben von Christiane Frohmann. Mehr dazu hier.

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Berichtsheft 21.-23. November: Verdrängung leicht gemacht

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“Du bist ein Meister im Verdrängen” sowie “Du machst es Dir ja leicht” sind Komplimente, die ich gerne höre. Beide Talente haben mich von Kind an gut und sicher durchs Leben gebracht – ein Leben, das nicht immer nur lustig war, schon gar nicht in den letzten Jahren. Hättet Ihr jetzt nicht gedacht, liebe Basic-Cooking-Leser? Tja, ich bin eben ein Meister im Verdrängen. Und find immer einen Dreh, was Schweres leicht zu machen – wie in meinen Büchern.

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“Ich glaube fest daran, dass ein Tag nicht so schlecht sein kann, wenn ich an ihm Zeit für einen Kaffee habe.”

Es ist Sonntagabend und ich sitze im Krankenhaus ganz nahe bei jemandem sehr Nahen. Gerade herrscht Ruhe und Frieden nach einer heftigen Woche und vor einer wohl noch heftigeren. Dazwischen habe ich mich an diesem Wochenende auf eine Insel geflüchtet – ins vertraute Paradies meiner Wohnung, wo ich seit Tagen wieder eine Nacht schlief, und ins absolute Abentuerland gleich ums Eck davon, wohin wir am Freitagabend aufbrachen. Weiterlesen

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Berichtsheft Kalenderwoche 47: Coffee cares for you

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Da ich das Draußen in dieser Woche vor allem von drinnen gesehen habe und das Drinnen nix fürs Draußen ist, hier ein paar Kaffeeperspektiven auf das Ganze – definitiv die ruhigsten Momente dieser Woche.

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Berichtsheft Montag, 17. November: Work. Pray. Drink. Wait.

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Berichtsheft Wochenende, 14.-16. November: Zusammen

Ein Wochenende wie eine Welle, sich aufbauend, “Platsch”, und langsam verebbend. Freitag war Tatentag: Früh die Grillrezeptliste weg und liegengebliebene Mails, dann Arzt, Drogerie, Gemüsefrau, Zeitungsmann, Bäckerpaar und Blumenfrauen, dabei immer wieder ein Schwätzchen, wir kennen uns, und wenn Du einen Laden hast, spricht man noch mal auf einer anderen Ebene. Es ist wie im Dorf, wo man sich auch immer mal blicken lässt bei den anderen im Geschäft. Die Bücherfrau steht vor ihrem mit dem Handy am Ohr, ihr winke ich nur zu.

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Eine vergane Freundin schreibt, dass sie heute mit einem veganen Koch für den BR kocht, was mich fürs Mittagessen mit den Jungs motiviert: Kartoffel-Bohnen-Plätzchen mit dem Rest des am Vortag gekochten Dal aus geschälten Mungobohnen – für mich sind das ja Linsen, aber im Englischen sind das alles “beans” und so wohl bei uns auch. Dieser Dal ist der milde Star bei unseren Bollywood-Kochkursen, recht komplex, da vieles für sich gegart wird und das auch noch unterschiedlich, aber das Ergebnis ist jedesmal belebend und erhebend; einmal habe ich es auch “easy” probiert, also alles nach und nach in einem Topf – das war für den Napf. Ich glaube, dass in den vielen langweiligen Indern dieses “easy” der Grund fürs Einerlei ist, weiß aber auch, dass das Komplexe wenig für die Restaurantküche taugt. Weiterlesen

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Berichtsheft Donnerstag, 13. November 2014: Im Umbau

Baggerschaufel

Mein Viertel verändert sich. Alleine von meinem Küchenfenster aus kann ich inzwischen drei Baustellen auf einen Blick sehen, die so pünktlich wie die Kirchenglocken erklingen, wenn es sieben Uhr morgens ist. Bis vor kurzem war es nur die eine auf dem Postgelände beim Bahndamm, die seit Wochen einen Kran sich drehen und Sägen laufen lässt; an diesem Donnerstagmorgen wurde das dritte Gerüst mit viel Gedengel an dem zweiten der Häuser in meiner Straße hochgezogen. Und da ist mehr, überall und immer wieder aufs Neue. Scheiß-Gentrifizierung? Sachte… Gehen wir mal ein Stück.

kirchenschiff

Die Baggerschaufel ganz oben liegt gleich neben diesem Idyll hier vor der Franziskus-Kirche. Hier wurde gerade der Belag der Hans-Mielich-Straße erneuert, wofür sie in eine Richtung für eine paar Tage gesperrt war. Eine Weile konnte man hier durch ein Schaufenster auch dem Café “Konradin” beim Entstehen zu sehen, Regale, Theke, Lampen waren schnell da und schön, dann passierte lange nichts mehr. Nun ist es ein Büro mit sehr großzügiger Kaffeeküche. Der Schlecker weiter unten steht immer noch leer, eigentlich sollte hier der Italiener rein, der kurz mal in dem vormaligen Waschsalon an der Humboldtstraße war (und dessen Besitzer über meinem Studio wohnte), worin jetzt die Bar “Wuid” ist, Gegenstück zum Miss Lilly’s gegenüber, in dem früher das Sozialprojekt Abba war.

laub

Doch zurück: Über den lange umgebauten und mit einem Paukenschlag fertiggestellten Hans-Mielich-Platz geht es unter der Bahnlinie hindurch (die in diesem Jahr durchs ganze Viertel eine Schallschutzwand erhalten hat) in die Idylle zwischen Stadtgärtnerei und dem Griechen Lucullus – das blaue Schild weist den Weg zum nächsten Bau.

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Am Bahndamm entlang war lange Wildnis und Schrebergärtnerei, jetzt führt eine Schneise zur Postbaustelle (oder ist es die Telekom?), wo wohl ein weiteres Bürogebäude neben dem alten Waschbetonbau hochgezogen wird. Wir aber machen halt davor und…

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…schwenken nach links in die Obere Weidenstraße, wo eines der alten kleinen Häuschen ganz neu wird – oder ist es schon ein ganz neues Häuschen?

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Vor drei Jahren sorgte ums Eck in der Birkenau der Abriss zweier ehemaliger Kutscherhäuschen für viel Aufmerksamkeit und Ärger im Viertel; wegen zu vieler Umbauten hatten sie den Denkmalschutz verloren. An ihrer Stelle steht nun ein jeden Zentimeter der Baulücke füllender schwarzer Eigentumswohnquader, der wenig für behutsames Sanieren wirbt, aber auch keinen mehr richtig aufregt. Seit dieser Woche räumt ein Kleinbagger im völlig verwilderte Hof eines weiteren (denkmalgeschützten) Kutscherhäuschens auf, was vorsichtig begrüßt wird. Vor Jahren hatte dies eine Freundin der Huberin gekauft, die das HUKODI mitbegründet hat (sie ist das “Hu” im HUKODI, das zuvor die Zentrale der Bayernpartei war, nun ist sie die Straße runter in der Färberei aktiv). Seitdem stand das Haus leer und der Garten verwilderte spektakulär. Geld ausgegangen, Denkmalschutz unterschätzt, Abrissspekulation? Keiner wusste nix Genaues, aber es war zusehends kein gutes Argument für “Friede den Hütten, Krieg den Paläste”. Wir träumten derweil von einer Landgasthofkommune, Urban Gardening, Grüne-Soße-Plantage. Nun geht’s wohl los. Ich bin gespannt.

ganzgiesing

Und hier der Blick, von dem ich am Anfang sprach – die Glockentürme haben Konkurrenz bekommen. Worüber die Heiligkreuzkirche aber nur schmunzeln kann: Sie ist seit Jahrzehnten eine Großbaustelle, die nun aber endgültig abgeschlossen werden soll. Ebenso wie die etwas kleinere im Schatten des kleinen Türmchens rechts, an der man hier unten auch rege interessiert ist – dort eröffnet demnächst das neue Giesinger Bräu, das bisher direkt unter meinem Küchenfenster in einer ehemaligen Geflügelschlachterei braute. Was dann dort sein wird? Wir sind gespannt.

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